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Apr

Sprache der Angroschim

   Posted by: Calisto   in Geschichten, Gedichte und Musikalisches

„Wir sind uns gewiss, daß sie nit zu sprechen vermögen, tun sich doch ihre Mündern nit öffenen, allein ihre metallen Bärten zittern und wackelen, alldiweyl ein Rumpeln unt dumpes Gebrummeln ertönet, zudem ein Poltern und seltsam Geknirschen, so daß es scheynet altz wie ein Geröllen von Steynen und Kieszeln unt ein Fauchen von Kohlefeuern. Unt alsz sie sich entlich berieten, stunden sie sich hin im Kreysen unt brummten und knurrten sich an, die klumpatschen Händchen hinterm Rücken unt wippeten auf ihren groben Stiefeln vor unt zurücken. Dies dauerte gar länglich an unt altz wir nach vier Tagen das Lager abbrachen, stunden sie immer noch im Kreysen unt waren gäntzlich verdutzet über unsere Eylichkeyt. Mein Herr, ich tue fürchten, dass mit solch Kindervolk keyn vernünftig Handeln zu finden ist….“

(Bericht einer früheren menschlichen Handelsexpedition)

 

Alle Völker der Zwerge teilen eine gemeinsame Sprache: das Rogolan. Schon seit Jahrtausenden wird es in den unterirdischen Hallen gesprochen, und es hat sich über die Zeit kaum verändert. Zwar sind Worte hinzugekommen oder haben neue Bedeutungen erlangt, in Vergessenheit geraten ist jedoch kaum ein Ausdruck. Dies hat einerseits zur Folge, dass sich auch ein Zwerg aus einem fernen Gebirge problemlos mit einem würdigen Hüter Xorloscher Traditionen nicht nur über alltägliche Dinge, sondern auch über Weltanschauung und Philosophie unterhalten kann. Anderseits besitzt das Rogolan durch seine Beständigkeit einen ins Unerschöpfliche gewachsenen Reichtum an grammatischen Regeln, Ausnahmen und fein nuancierten Vokabeln.

Für nicht-zwergische Ohren klingt das gesprochene Rogolan meist sehr dunkel und holprig, da die Vokale gern verschluckt werden. Dies hat den Grund, dass die zwergische Grammatik und Wortlehre auf bedeutungstragenden Kombinationen von Mitlauten aufbaut, was auch das Studium des Rogolan so schwierig macht. Zum Beispiel haben Worte mit der Konsonanten-Basis R-G-L alle etwas mit Sprache und Sprechen zu tun: der Name Rogolan selbst, ragal (sprechen), argola (Gespräch), rogla (Zunge), rogel (-o/-na) (der/die Gesprächige). Durch zusätzliche Silben, die vor-, zwischen- oder nachgestellt werden, entstehen viele weitere Varianten.

Dabei sorgen zwar die Vokale für die entscheidenden Unterschiede, für Zwerge ergibt sich aber die korrekte Wortbedeutung meist aus dem Kontext, und sie sind in der Lage, auf feinste Klangnuancen zu hören, so dass sie die Hilfe der Vokalisierung nicht unbedingt brauchen. Unbedarfte Zuhörer kann schnell gesprochenes Rogolan aber zweifellos verwirren. Zudem wird meistens nur die vorletzte Silbe eines Satzes betont, wodurch der monotone Klang noch verstärkt wird.

Das Runen-Alphabet des Rogolan wird von allen Angroschim verwendet, um sich schriftlich auszutauschen und Wissen für die Nachwelt festzuhalten. Es umfasst 24 Zeichen, wobei die Vokale oft nicht geschrieben werden. Wenn unbedingt Exaktheit und Unmissverständlichkeit vonnöten ist, kann das Schriftbild durch eine große Anzahl von zusätzlichen Punkten, Dächern und Strichen über und unter den Buchstaben ergänzt werden. So werden die Klangfarben, Betonungen und verschiedene zwergische Kehl-, Reibe-, Roll- und Brummlaute genau festgelegt, um den Feinheiten des gesprochenen Rogolan Rechnung zu tragen.

Allen Zeichen ist gemein, dass sie ursprünglich weder Bögen oder Schleifen noch waagerechte Striche aufweisen und dadurch dem Gebrauch auf steinernen Wänden und Täfeln angepasst sind.
Denn gebogene Linien sind schwer zu meißeln, während waagerechte Linien leicht mit der Maserung des Hintergrundes zu verwechseln sind.

(Klamdor)

This entry was posted on Freitag, April 1st, 2022 at 09:48 and is filed under Geschichten, Gedichte und Musikalisches. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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