Archiv für Sparte ‘Es war einmal…’

2
Aug

Ein gruseliger Anblick..

   Von: Lady Sharina in Es war einmal...

 

Liebe Leser, bot sich dem der sich im August 2009 in den Wald begab.

dort sah man nur noch qualmende verkohlte Baumstümpfe. Hier der Artikel vom 17.August dazu:

Messer, Gabel, Schere, Licht….

geschrieben von Feelicitas

…sind für kleine Kinder nicht. So hörten wir oft von den Alten. Für diesen speziellen Fall sollten auch Feuersteine mit in die Aufzählung hinein genommen werden.
Es begab sich am letzten Dienstag, dass ein gewisser junger Holzfäller im Dämmerwald stand und seiner Arbeit nachging, als er von dem Geburtstag einer Freundin erfuhr. Freudig entschloss er sich zu ihrem Ehrentag 25 Kerzen zu entzünden, musste jedoch feststellen, dass dies mangels eben dieser besagten scheitern musste. Schnell ersann er einen neuen Plan und entzündete kurzerhand das in entsprechender Anzahl, was ihm zur Verfügung stand, nämlich Bäume.
Jedoch hatte er nicht mit einer im Dämmerwald ebenfalls anwesenden jungen Maid gerechnet, die leicht pyromanische Züge aufzuweisen scheint. Als diese des Feuers ansichtig wurde, trat ein seltsamer Glanz in ihre Augen und schnell holte sie ihren Feuerstein aus dem Gepäck. Es kam, wie es kommen musste. In Windeseile breitete sich das Feuer aus und verschlang mit seiner Gier den gesamten Dämmerwald, so dass nichts zurückblieb außer einigen rauchenden Stumpen, dem Blaubeerbusch und ängstlich umherirrenden Tieren.
Schnell wurde der Schrei laut, einen Schuldigen für dieses Unglück anzuprangern, doch wen traf die Schuld? Etwa die beiden Kinder? Zwar waren ihren Händen die Flammen entfallen, die den Wald zum Brennen brachten, doch Kinder sind nur bedingt schuldfähig. Doch auch den Eltern ist keine Schuld zuzuschreiben, gingen sie doch fleißig ihrem Tagwerk nach. Dem Geburtstagskind ist erst recht keine Schuld zuzuweisen, da dies sich nicht einmal ansatzweise, weder körperlich noch geistig im Dämmerwald befand und es aus Prinzip ohnehin immer unschuldig ist. Da all diese Personen ausgeschlossen werden konnten, war der einzig mögliche Schuldige laut einer Aussage am großen Schwarzen Brett das Wiesel, das immer die Schuld an allem trage.
Der Trenter Bote enthält sich in dieser Frage wie immer jeglichen Kommentars.

(Lady Sharina)

PS. hoffen wir mal das die Erziehungsberechtigen heutzutage immer ein Auge auf die Kleinen haben. So etwas wollen wir nicht mehr sehen.

(rausgebuddel von Lady Sharina)

 

28
Nov

Lichterfest

   Von: Lady Sharina in Es war einmal...

 

Am 1. Dezember  ist wieder Lichterfest und ich möchte gern noch einmal  den Text von IceT hier dazu bringen:

Die Adventszeit 2010 – Der Tag, an dem die simkeanische Welt aufhörte, sich zu drehen

IceT tritt mit einem langen Schreiben aus dem Archiv des Landes vor das Volk, blickt mit ernster Miene um sich und erhebt sodann die Stimme, um den Inhalt des Schriftstückes zu verlesen.

„Es begab sich in einer Zeit, in der es eigentlich auf Weihnachten zuging. Ein Fest, das eigentlich der Besinnung, der Familie und der Freundschaft gilt. Der Familie, wie sie Simkea für viele der Bürger des weiten Landes geworden ist. Doch etwas war anders: es war nicht friedlich. Missverständnisse führten zu Streit. Überall über dem Land schwebte eine dunkle Wolke gedrückter Stimmung, hinter vorgehaltener Hand wurde manch böses Wort geflüstert, manch noch böseres Wort wurde wutentbrannt in die stille Schneelandschaft über Simkea getragen. Es war keine Zeit des Friedens. Es war eine Zeit, in der sich manch einer zu manchem Ausspruch hinreißen ließ, den er möglicherweise schon im selben Moment bereute. Doch Worte sind wie Waffen, ihre Wirkung lässt sich mindern, aber nicht ungeschehen machen.

So durchlebten nicht nur die Bürger, sondern auch der Wächter der Tore kalte, stürmische Zeiten, stets gepeitscht von Wogen der Emotionen, von egoistischen Interessen und allgemeiner Frustration, die aus der Anderswelt in das Land hineingetragen wurde. Und so begab es sich schließlich, an jenem unvergesslichen Morgen des 30. November 2010, dass mancher Bürger erwachte und von seinem Land nichts mehr zu sehen war, lediglich die Lettern „Ende…“ prangten in gleissendem Licht, im Nichts. Und schnell wurde allen Bürgern klar, was diese Leere, das Fehlen ihres geliebten Landes, zu bedeuten hatte. Schon des öfteren hatte es sich abgezeichnet, wäre erkennbar gewesen, doch in ihrer Wut und ihrem Ärger waren die Bürger blind: der Wächter der Tore, er hat sein Land verlassen, und mit ihm floh das Land.

Es fuhr den meisten Bürgern durch Mark und Bein, und es begab sich etwas Merkwürdiges, was niemand je gedacht hätte: so zerstritten das Volk auch war, es schloss sich plötzlich zusammen, beriet in der Anderswelt, was zu tun sei, um den Wächter der Tore zur Rückkehr zu bewegen. Es sollten lange, quälende Stunden des Bangens, des Hoffens und des verzweifelten Diskutierens werden. An jenem Tag sollte sich die Welt Simkeas nicht mehr drehen. In ihrer Verzweiflung standen die Bürger Schlange am dem Einzigen, was ihnen an den Landen Simkeas noch zugängig war, dem schwarzen Brett – und dort, wo schon Monate zuvor die größten Fehden ausgetragen wurde, schlossen sich plötzlich alle Bürger zusammen und meißelten ihre Gedanken darnieder, zeigten überwältigend auf, wie sehr sie mit dem Land Simkea verbunden waren, und beknieten den Wächter der Tore, doch zurückzukehren, um Eintracht in diesen schönen Landen walten lassen.

Es geschah etwas: der Wächter der Tore war eindeutig anwesend und nahm Notiz von den Bekundungen, die ihm und seinem Werk von den Bürgern entgegengebracht wurden. Zwar schwieg er, doch war er zugegen. Einige Zeit später trat er daselbst ans schwarze Brett und hinterließ eine Nachricht, warum er das Land verlassen hatte. Er legte nieder, wie er nach manch bösem Wort in Selbstzweifel verging, warum er begann, die Sinnhaftigkeit seines Handelns zu hinterfragen und anzuzweifeln. Er zitierte eine Nachricht, die ihm zuvor zugetragen wurde, in der beschrieben wurde, wie der Rat von Simkea immer kleiner wurde, ohne dass die Stimmung besser wurde. Sein fürchterlicher Schluss aus dieser Nachricht: er selbst sei schuld an der traurigen Situation von Simkea. Und er bemerkte nicht, dass er diese Nachricht, dessen Autor beim Verfassen so zornig war, dass er manches Wort falsch wählte und der Nachricht so einen völlig falschen Sinn gab, vollkommen falsch ausgelegt hatte. Welch fürchterliche Konsequenz!“

IceT lässt das Blatt für einen Moment sinken, blickt zu Boden, als wisse er genau, wer der Verfasser dieser Nachricht gewesen sein mag, holt tief Luft und fährt sodann fort:

„Die Nachricht, die der Wächter der Tore den verzweifelten Bürger hinterließ, in der er sich Bedenkzeit ausbat, konnte die Bewohner freilich nicht beruhigen. Doch sie erklärte, warum er das Land verlassen hatte, und sie zeigte, welch vernichtende Wirkung manch unbedachtes Wort, im Zorne ausgesprochen, anrichten kann. Die Bürger saßen niedergeschlagen beisammen und konnten nichts weiter tun als hoffen, bis schließlich auch den Letzten die Müdigkeit übermannte.

Am nächsten Morgen, am 1. Dezember 2010, als die Adventskalender am gemütlich wärmenden Kamin in der Taverne die ersten Geschenke heimlicher Verehrer, Freunde oder einfach nur Mitbürger preisgeben sollten, erwachten viele Bürger in der Anderswelt und stürmten voller Hoffnung Richtung Simkea – um erneut enttäuscht zu werden. Die Hoffnung unter den Bürgern war spürbar gesunken, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung machten sich breit. Der Start in den Advent war überschattet von Ungewissheit, von Angst und Hoffen. Es wurde kaum noch beraten, es wurde still zusammengesessen und gehofft. Doch kaum jemand vermochte einen anderen Gedanken zu fassen als den an das Land von Simkea in einer unbeschwerten Zeit, in einer Zeit, als vieles allzu selbstverständlich genommen wurde.

Dann endlich, am Nachmittag, startete ein Bürger einen neuen Anlauf, das Land zu betreten – und fand sich unvermittelt in der strahlenden, stillen Welt von Simkea wieder, die nach einem Tag wieder begonnen hatte, sich zu drehen! Ein Aufschrei des Jubels ging durch die Bürger, die voller Begeisterung durch das Portal stürmten, vorbei an dem stumm gewordenen Wächter der Tore, und die Bürger tanzten durch das Land und beschlossen spontan, zum Gedenken an den Tag, an dem die Welt aufhörte, sich zu drehen, eine Zusammenkunft am Trenter Stadttor zu feiern. Bis es soweit war, sparten die bislang gespaltenen Bürger nicht an Worten des Dankes, und so hörte man allenthalben Bürger ihre Worte an das schwarze Brett meißeln.

Am Abend schließlich fanden sich die Bürger wie besprochen zusammen und standen in nie erlebter Eintracht zusammen am Trenter Stadttor. Über 80 Bürger fanden sich dort ein und stellten stumm brennende Kerzen am Boden ab, um ihre Solidarität mit diesem Land unter Beweis zu stellen. Und auch der Hüter der Tore erschien, und bei diesem Anblick konnte er seine Zurückhaltung nicht länger durchhalten. Er brachte seine Überwältigung zum Ausdruck: „Was ihr hier tut ist einzigartig… doch verehrt nicht mich, sondern eure Stadt, euer Land Simkea…“ So sollte es sein. Und fortan sollen sich alle Bürger am Abend des 1. Dezember am Stadttor einfinden, um diesem Tag, an dem die Welt aufhörte, sich zu drehen, zu gedenken und nie zu vergessen, welch schwere Zeiten das Land bereits durchleben musste. So soll der 1. Dezember fortan als Lichterfest bezeichnet werden und in die Geschichtsbücher Simkeas eingehen – als Mahnmal, und als Feiertag.“

IceT lässt das Pergament sichtlich erschöpft sinken, entzündet eine Kerze und stellt sie vorsichtig am Boden ab. Er schließt mit den Worten: „Danke, MasterX. Und: danke, Simkea – und ihr, liebe Mitbürger, seid Simkea. Frohe Adventszeit!“

IceT lässt den Schauplatz zurück und legt sich danieder, um sich auszuruhen und den Tag zu beschließen.

(Lady Sharina)

 

Der Versuch nähert sich dem Ende: Die Veröffentlichung der Fortsetzungsgeschichte von Dicke Fee aus alten Ausgaben des Trenter Boten hatte leider größere Pausen zwischendrin – so dass sicher einigen der Zusammenhang fehlt. Wer will, kann im Archiv nach den alten Folgen vom Jahr 2009 stöbern – oder die Zusammenfassung lesen:

Es beginnt mit einer unheimlichen Prophezeiung: Mein Kind, großes Unheil wird über dich kommen. Du hast eine schwere Aufgabe vor dir und wirst dein Leben mit ihrer Erfüllung bezahlen. Ein Kind wird geboren in einer mondlosen Nacht. Ein Kind, zu binden was schon ewig getrennt, ein Kind, den Frieden zu bringen wo Hass und Lüge die Flüsse und Felder vergiftet, seit Anbeginn der Zeit. Rette dieses Kind und die Welt wird Frieden erlangen, aber du wirst sterben. Rettest du es nicht, werden wir alle ins Unglück stürzen, undenkbar größer als das Unheil, das uns jetzt schon das Leben schwer macht.“

Diese Worte gibt eine geheimnisvolle alte Frau einer Amme mit, die einen Säugling in einen Zirkus bringt. Etliche Jahre später kommt dieser Zirkus in das Dorf, in dem Eleonara lebt. Sie hat schon früh erfahren, dass sie ein Findelkind ist: „Es war eine klare Nacht, als es an der Tür klopfte.“, so begann ihre Mutter immer: „ Eine Frau von großer Statur stand vor unserer Tür, ihr Gesicht war unter der roten Kapuze ihres Umhangs verborgen, aber ihre Stimme war die einer Frau. Sie drückte mir ein Baby in den Arm und nannte mir deinen Namen und dass ich mich um dich kümmern solle. Dann gab sie deinem Vater einen Beutel mit Silbertalern und verschwand in der Nacht.“

Im Zirkus, den Eleonora nun mit ihrer Freundin besucht, wird sie um Mithilfe gebeten – in eine stille Ecke gezaubert und……:

Amathea schaute sie an. „Eleonora, wie groß du geworden bist.“ „Wir haben nicht viel Zeit, höre mir genau zu. Du bist in Gefahr! Meide sich spiegelnde Oberflächen! Jemand versucht einen Weg zu dir zu finden. Lass sie dich nicht fangen, oder unsere Welt ist verloren.“ Almatea hielt Eleonora an den Schultern fest und sah ihr tief in die Augen. „Lass nicht zu, das so viele Menschen umsonst gestorben sind.“, dann warf sie wieder ihren Umhang um Eleonora und beide waren zurück in der Manege.

Eleonora versteht es alles nicht, sie sorgt sich um die todkranke Mutter und bekommt einen Schrecken, als sie im Spiegel Fratzen von Ungeheuern sieht. Dann stirbt die Mutter – Goblins dringen ins Haus ein und versuchen Eleonora zu rauben. Auf der Flucht vor den Goblins steht Almathea plötzlich vor ihr, kämpft gegen die Ungeheuer und nimmt Eleonora mit nach Trent.

Sie erklärt ihr etwas von den Hintergründen:

Seit Jahren schon geht es den Menschen in Simkea schlecht. Sie leiden. Sie haben den Frohsinn verloren und werden von Goblins unterjocht. Am schlimmsten trifft es bisher Trent. Kein Mensch weiß genau, wie er es anstellte, aber jeder kennt den Namen des Mannes, der ihr Lachen stahl und sie in einer Welt voller Grau zurück ließ. Darkman! Er ist der Anführer einer ganzen Horde Goblins, die dafür sorgen, dass wir nachts nicht mehr vor die Tür gehen, er vereinnahmt Gelder für sich, die für den König bestimmt sind und zwingt uns diese zu ersetzen. Er taucht nirgendwo selbst auf. Immer schickt er seine Goblins. Keiner weiß wie er aussieht, Darkman ist wie ein Schatten.“

Auch von der alten Frau erzählt sie, die ihr einst erklärt hat, warum der Säugling zu ihr in den Zirkus gebracht wurde:

Dieses Kind ist wichtiger als alle Menschen, wichtiger als du, wichtiger als ich und erst recht wichtiger als die zwei Frauen.“ Ich bat sie, mir das zu erklären, wusste aber im selben Moment, dass mir nun das Wissen zuteil werden würde, mit dem ich das Gefühl etwas Großes käme auf uns zu, erklären könne. Sie erzählte mir also von der Prophezeiung: Ein Kind wird geboren in einer mondlosen Nacht. Ein Kind, zu binden was schon ewig getrennt, ein Kind, den Frieden zu bringen, wo Hass und Lüge die Flüsse und Felder vergiftet, seit Anbeginn der Zeit.“

Almatea drehte sich zu Eleonora um. „Dieses Kind bist du Eleonora!“

Die Leser wissen inzwischen noch mehr – Darkman hat seine Goblins überall und hat Eleonoras beste Freundin in seiner Gewalt. Auch Eleonora weiß das. Die Erzählungen von Almathea machen sie ratlos und sie beschließt aus der Taverne in Trent zu fliehen und die Freundin Isabella zu suchen. Kurz darauf irrt auch Almathea durch Trent und sucht nach Eleonora. Diese entdeckt angesichts eines Goblins im Dämmerwald ihren Mut und stellt sich ihm in den Weg: „Ich bin die, die ihr sucht. Bringt mich zu eurem Herrn!“ So hofft sie endlich die Freundin zu finden – noch immer ohne die geringste Ahnung, was sie für sie tun könnte. (zu lesen im Boten vom 12. Okt)

Die Suche – Folge 13

Almatea verfluchte dieses dumme Kind. Wie konnte sie nur einfach abhauen. Sie war der Schlüssel zu einer besseren Welt für alle in Simkea, sie war die einzige Hoffnung die ihnen blieb und dennoch spielte Eleonora mit ihrem Leben um ihre Freundin zu befreien. Sie schüttelte den Kopf. Dummes Kind! Vor Wut schnaubend lief sie die Straßen Trents auf und ab. Sie blickte in jede Gasse und war schon zweimal am Stadttor vorbei gelaufen. Ihre Zuversicht Eleonora zu finden und zur Umkehr zu bewegen schwand immer mehr dahin. Mit jeder Stunde die verging wurde es immer Unwahrscheinlicher sie zu finden. Sie konnte inzwischen schon fast im Dämmerwald sein. Almatea seufzte. Wen sollte sie fragen? Sie wollte nicht noch mehr Menschen von Eleonoras Ankunft in Simkea berichten. Es war schon schlimm genug dass die Alte so offenherzig gegenüber dem Maskenmann gewesen war. Almatea war immer noch außer sich vor Zorn über diese Dummheit. Die Alte hatte ihr eingetrichtert mit aller Vorsicht Eleonora aus ihrer Dimension nach Simkea zu bringen, das möglichst wenig Menschen davon erfuhren und dann war genau sie diejenige, die es dem erstbesten auf die Nase band. Vielleicht wurde sie senil. Almatea glaubte nicht daran, aber sie konnte sich auch keinen Grund denken, warum die Alte es sonst so leichtfertig erzählt haben sollte. Gut, sie hatte keinen Namen genannt, aber Darkman hatte seine Spitzel überall und so währe es nicht verwunderlich, wenn er baldmöglichst von Eleonora Bericht erstattet bekommen würde und dann Gnade ihnen Mutter Erde. Almatea lief zum dritten Mal am Stadttor vorbei und fragte sich zum x-ten Mal an diesem Tag wozu ihre Gabe durch Dimensionen zu wandern wohl gut sein sollte, wenn sie in einer dieser Dimensionen nicht mal jemanden finden konnte ohne dieselbige Person erst stundenlang zu suchen. Da sie Eleonora immer noch nicht gefunden hatte, machte sie sich auf den Rückweg zum Wirtshaus. Sie musste dringend dafür Sorge tragen, das noch andere nach dem Mädchen suchten. Alleine war dieses Unterfangen einfach unlösbar.

In einem Zimmer des Wirtshauses saß die Alte auf ihrem Stuhl, auf dem Schoß hielt sie eine Waschschüssel mit Wasser gefüllt. Sie blickte angestrengt in die Schüssel, als suche sie etwas. Die Wasseroberfläche kräuselte sich, von innen nach außen bildeten sich kleine Ringe, ganz so als ob jemand einen Stein in die Mitte der Schüssel geworfen hätte. Die Stirn der Alten legte sich in Falten, nur einen kleinen Moment schloss sie die Augen, sammelte ihre Gedanken um dann wieder auf die Wasseroberfläche zu sehen. Ein Lächeln umspielte ihren Mund, als sie den Erfolg ihrer Arbeit sah. Da wanderten Eleonora und ein Goblin die Handelsstraße entlang. Eleonora ging selbstbewusst vor dem Goblin her, schaute mal hier hin und mal dorthin als wenn sie sich ihres Lebens freute und auf Wanderschaft wäre. Der Goblin trottete amüsiert hinterdrein. Ab und an schüttelte er den Kopf, als könne er immer noch nicht glauben was ihm da über den Weg gelaufen war. Die Alte blickte erstaunt auf dieses Bild und fing an zu kichern. Wer hätte schon geahnt, dass dieses Kind so viel Schneid besaß? Darkman, Darkman, mit diesem Mädchen wirst du es nicht einfach haben, dachte die Alte. Pass bloß auf dich auf. Die schafft es und macht dir das Leben zur Hölle. Die Alte pustete auf die Oberfläche und das Bild veränderte sich. Darkman wanderte ruhelos in dem Lagerhaus in dem er Isabell festhielt auf und ab. Die Hände hinter dem Umhang verschränkt zog er weite Kreise, ganz vertieft in seine Sorge, Eleonora könne ihm ein drittes Mal entkommen sein. Er konnte ja nicht ahnen, dass sie gradewegs auf dem Weg zu ihm war. Dass sie aber nicht als Gefangene kam, das hätte nicht mal die Alte geglaubt, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Wie erschüttert würde Darkman angesichts der Tatsache sein, das sein Opfer sich ihm so freiwillig auslieferte? Die Alte lächelte noch breiter. Was geschehen soll, wird geschehen. Sie fuhr mit der Hand über die Schale hinweg und das Bild war verschwunden. Langsam erhob sie sich und stellte die Schüssel zurück auf den Tisch und setzte sich mit dem Stuhl ans Fenster. So blickte sie hinaus auf den Marktplatz, schloss die Augen und nickte ein.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

Liebe Leser, wer den Anschluss verpasst hat – oder sich nicht mehr gut erinnert – die letzte Folge wurde im Juli 2017 veröffentlicht.

2009 gab es sogar eine Diskussion im Boten, in der die Autorin fragte, was für ein  Schluss den Lesern denn am besten gefallen würde…. Darüber könntet Ihr ja auch nachdenken und das Ergebnis dann mit dem hier vergleichen…. Lange dauert es nicht mehr bis zum Ende!

Umland

Elonora ging durch kniehohe Wiesen, den Handelsweg mied sie, die Furcht entdeckt zu werden war zu groß, und das Gras war hoch genug. um sich tief in ihm ducken zu können.
Sie ging parallel zum Handelsweg und nah genug, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren; ihr Herz klopfte bis zum Hals;ihre Hände waren nass vom Schweiß ihrer Angst. Da der Weg ziemlich eben verlief konnte sie schon von weitem sehen. wenn jemand kam, aber ihr war sehr wohl bewusst, dass auch sie schon vom Weitem gesehen werden konnte. Eleonora überlegte. was wohl schlimmer war, vom angeblichen Freund oder vom Feind gefunden zu werden. Die Sonne stand inzwischen hoch am Himmel, sie war hungrig und durstig, aber eine Pause konnte sie sich nicht gönnen und den Weg zu verlassen um eine Quelle zu suchen. kam genauso wenig in Frage. weil sie sich mit Sicherheit verlaufen würde.
Eleonora wusste immer noch nicht. was sie machen würde, wenn sie Darkman gefunden hatte oder wie sie Isabell retten wollte. Ihre Hoffnung bestand darin bis zum letzten Moment unentdeckt zu bleiben. Vielleicht bestand die Möglichkeit das feindliche Gelände erst zu erkunden. um dann ihre Freundin zu befreien. Große Sorge machte sich in Eleonora breit.
Wie es Isabell wohl ging? In welchem Zustand würde sie sein? Welche Qualen musste sie erdulden? Würde sie, Eleonora. jemanden töten müssen um Isabell zu retten? Und wenn ja, mit welchem Gegenstand? Sie hatte doch nichts als die Kleider. die sie am Leibe trug. Sollte sie sich einen großen Stock im Wald suchen, um ihn als Knüppel zu verwenden? Wie sollte sie an eine Waffe kommen?
Eleonora merkte. wie ihr die Tränen übers Gesicht liefen. Sie war einfach weg gelaufen, ohne zu wissen wohin, ohne zu wissen .wie sie Isabell retten sollte und ohne einen blassen Schimmer. was auf sie zukommen würde. Wie hatte sie nur so dumm sein können? Sie fühlte sich wie ein kleines Kind. Sprunghaft, ohne eine Ahnung von der Konsequenz ihres Handelns.
Eleonora hatte den tränenerfüllten Blick gesenkt und als sie jetzt hoch blickte .wurde sie des Waldes gewahr. Dunkel und riesig zeichnete er sich am Horizont ab. Ihr Herz begann zu rasen. Wie sollte sie Darkmans Versteck bloß in diesem großen Wald finden? Es könnte Tage, wenn nicht Wochen dauern. Ein Kloß saß in ihrem Hals. Wie dumm sie war. Der Mut verließ Eleonora. Vielleicht sollte sie umkehren. Vielleicht wäre es besser Almatea um ihre Hilfe zu bitten. Sie blieb stehen. Sie atmete schwer vor Kummer und Anstrengung. Eleonora setzte sich ins Gras. Ihr war es egal. dass sie nun fast komplett verdeckt war, dass sie bis zum Kinn im Gras hockte. Sie wünschte. sie wäre ganz alleine auf der Welt, ohne den ganzen Kummer und ohne alle Sorgen. Sie lauschte. Da waren schnelle Schritte zu vernehmen, Schritte die Richtung Wald liefen in einem Tempo. dass sie es für unmöglich hielt, dass diese menschlich waren. Eleonora duckte sich tiefer.
Ein Goblinin kam die Straße hoch zum Wald gelaufen, er schien es eilig zu haben und Eleonora ahnte weshalb. Sie wussten es also. Sie wussten, dass sie Isabell retten wollte und waren gewarnt.
Eleonora seufzte. Eigentlich konnte sie auch gleich hier sitzen bleiben, hier im Gras. Sie könnte sich hinlegen und warten, auf den Abend, die Nacht und darauf, dass sich ihre Probleme von selbst lösen würden. Sie atmete tief ein. Der Goblin eilte an ihr vorbei, als sie ein Gedanke wie ein Blitz durchzuckte. Wenn es doch eh schon so aussichtslos war den Moment der Überraschung zu nutzen, wenn es aussichtslos. schien das Versteck Darkmans zu finden und Isabell zu retten, dann könnte man es doch von einer ganz anderen Seite aus versuchen.
Eleonora lächelte, vielleicht rannte sie gradewegs in ihr Verderben, aber wenn das ihr Schicksal sein sollte, würde sie es ohne zu hadern annehmen, vielleicht konnte dies aber auch die einzige Chance sein Isabell zu retten. Jede Angst war vergangen, sie schöpfte wieder neuen Mut.
Eleonora stand auf und rief: „Wohin des Weges Goblin? Bin es nicht ich. die ihr sucht? Wollt ihr denn ohne mich eurem Meister gegenübertreten?“
Der Goblin blieb erstaunt stehen und kam argwöhnisch zurück.
Eleonoras Lächeln wurde breiter. Mit dieser Wendung der Dinge hatte wohl keiner gerechnet, am wenigsten sie. Wie gerne würde sie das Gesicht Darkmans sehen wenn er von diesem Moment erfuhr.

Zurück nach Trent

Der Goblin blickte Eleonora voller Argwohn an. Man konnte seine Gedanken förmlich lesen.
Eleonora blickte mutig zurück. Was immer kommen würde, schlimmer als alles vorher konnte es wohl kaum sein. Das hoffte sie zumindest. Der Goblin zog eine Augenbraue nach oben und fragte sich wohl, was er von diesem Akt halten solle, er blickte suchend nach links und rechts, als befürchtete er einen Hinterhalt. Eleonora betrachtete ihn genauer. Noch immer empfand sie dieses Wesen als fürchterlich abstoßend. Seine großen, abstehenden Ohren, seine schiefen, spitzen Zähne, die leuchtend grünen Augen und seine grüne Haut trugen nicht grade dazu bei, das er vertrauenerweckend aussah, von seinem Geruch mal abgesehen. Der Goblin stank als wüsste er nicht mal, was Wasser eigentlich ist. Eleonora atmete durch den Mund. Besser sie machte sich bei dem Wesen nicht unbeliebt, indem sie sich die Nase zuhielt, so sehr es sie auch danach verlangte. Warum mussten diese Dinger bloß so stinken, schoß es ihr durch den Kopf.
„Können wir gehen? Ich habe deinem Meister viel zu erzählen und will meine Freundin zurück haben. Es wäre doch angenehmer vor Anbruch der Dunkelheit bei ihm einzutreffen, bist du nicht auch der Meinung?“, sagte Eleonora mit mutiger Stimme. Sie war selbst überrascht, woher sie den Mut nahm, aber er war da und sie genoss es, so ganz ohne Angst vor diesem grässlichen Wesen zu stehen.
Der Goblin legte den Kopf schief und Eleonora fragte sich ernsthaft, ob er sie überhaupt verstanden hatte. Sie erinnerte sich daran, dass sie schon einen von ihnen Reden gehört hatte, aber vielleicht waren nicht alle Goblins so klug und genau dieser verstand kein Wort von dem, was sie sagte. Sie überlegte grade, wie sie ihr Anliegen in Zeichensprache vorbringen könne, als sie die tiefe, zischende Stimme des Goblins vernahm: „Du willst zu Darkman?“, er schien leicht erstaunt zu sein, aber zu ihrer Überraschung klang auch ein Funken Respekt aus seiner Stimme.
„Ja, ich möchte zu deinem Meister. Dem Herren, der euch befehligt.“, Eleonora nickte und fragte sich, was in dem Kopf ihr gegenüber wohl grade vorging.
„Darkman unser Herr und Meister?“, der Goblin verzog sein ohnehin schon hässliches Gesicht zu einem Grinsen. „Das erzählt man sich also. Aha! Darkman wird sich freuen dich zu sehen. Dreh dich um und geh voran.“
Eleonora war verwirrt. Darkman war nicht ihr Herr und Meister? Aber was war er dann? Wie konnte man sonst mit solchen Kreaturen in Kontakt kommen, wenn nicht um die Macht über alles und jeden an sich zu reißen?
Sie drehte sich auf der Achse um und ging den Weg zurück den sie eben erst gekommen war. „Wir gehen zurück Richtung Trent? Müssen wir nicht in den Dämmerwald?“, erkundigte sie sich. „Wenn du zu Darkman willst, solltest du den Weg gehen, den ich dir nenne. Wenn du glaubst es besser zu wissen, dann geh den Weg, den du gehen möchtest. Ich halte dich nicht auf.“, sie konnte sein Grinsen im Rücken förmlich spüren und auch den blanken Hohn, der in seiner Stimme lag.
Was habe ich bloß getan? Sie stapfte voraus und fragte sich, was diese Wendung wohl bringen würde, was sie Darkman sagen wollte, wenn sie erstmal vor ihm stand. Wie würde er sein? Ging sie gradewegs in ihr Verderben oder konnte sie noch hoffen? Sie dachte an Isabell und ihr war alles gleich. Wichtig war ihr nur, dass sie ihre Freundin wiederfand. Alles Weitere würde sich schon ergeben. Sie blickte sich kurz um und stellte fest, dass der Goblin ihr in geringem Abstand folgte. Anscheinend war er zu der Überzeugung gelangt, dass sie wahnsinnig war und keine Gefahr darstellte. Sollte er doch denken, was er wollte. Sie würde ihm seine Freude an der Situation lassen. Eleonora blickte auf und in die Ferne. So lang war sie nun schon gelaufen und wenn sie es richtig sah, dann hätte sie einfach in Trent bleiben können, um Darkman zu finden. Sie seufzte tief auf.

(aus dem Archiv ausgegraben und entstaubt von Xanthy)

17
Okt

Georgie und die kleine Raupe

   Von: Calisto in Es war einmal...

In einem alten Schaukelstuhl sitzt ein etwas älteres Gothic-Wurm und lächelt sanft zu seinem Zuhörern.
„Es war einmal ein kleines Mädchen namens Georgiana, die im Garten von ihrem Opa Mecon unter einem Apfelbaum sass“, beginnt der Geschichtenerzähler Mecon.
„Die kleine Georgi – so nannte der Opa Mecon seine kleine Enkelin immer liebevoll – döste ein wenig. Sie träumte gerade davon, eine Prinzessin zu sein“, Mecon atmete aus, trank einen Schluck Kräutertee.
„Plötzlich fiel ihr ein Apfel auf ihren Kopf und kullerte in ihren Schoß. Erschrocken wachte Georgi auf und starrte auf den Apfel. Dieser hatte einen Stiel und daran war ein Blatt und auf dem Apfel saß eine kleine Raupe. Auf einmal wurde aus der Raupe ein weißer Schmetterling, der sich erhob und davon flog. Georgi biss in den süßen Apfel und schaute dem Schmetterling hinterher.
Ende

Von Mecon erzählt und Alexa Viator niedergeschrieben

 

Wissen ist Macht

Almatea trat mit der Alten auf den Marktplatz. Die Alte ging wie immer tief gebeugt und stützte sich auf einen Stock. Sie hatte sich bei Almatea untergehakt. „Was wollen wir hier?“, flüsterte Almatea. „Denkst du nicht, dass es nun wichtiger wäre Eleonora zu finden?“ Sie blickte sich um. Auf dem Markt war kaum jemand zu sehen, den Menschen, die sie kannte nickte sie zu, aber man sah ihr an, dass sie mit ihren Gedanken weit weg vom Markt war. Die Alte tätschelte mit der Hand, die den Stock hielt, die Hand Almateas: „Hab Vertrauen, sie ist nicht dumm. Sie hat nur Angst. Angst vor der Aufgabe und Angst ihre Freundin zu verlieren.“

„Du glaubst, sie will Isabell retten?“, Almatea hatte die Worte fast geschrien. Sie fluchte: „Dieses dumme Kind. Wie kann sie nur. Wie kann sie unsere Welt nur so in Gefahr bringen.“
Sie und die Alte gingen an einem Obststand vorbei. In dem Obststand lagen wenige Äpfel, ein paar Kartoffeln, Tomaten und Karotten. Die Ernte war nicht sehr gut gewesen. Almatea seufzte. Manchmal würde sie auch gerne verschwinden. Es gab Dimensionen, die um so vieles freundlicher waren als diese hier. Sie blickte dem Bauern verzweifelt ins Gesicht. Manchmal wünschte sie, sie könne alle Bewohner Simkeas ausgenommen der Goblins und Darkman nehmen und mit in eine dieser Dimensionen führen, aber sie bezweifelte, dass sie alle dort glücklicher wären. Was sollte nur aus dieser Welt werde,n wenn Eleonora etwas passierte? Wieder blickte sie sich um. So viel Vorsprung konnte sie doch nicht haben. Die Alte führte sie vorbei an einem Kleider- und einem Werkzeugstand bis hin zu einer Gasse. Ein Mann in einer schwarzen Hose kam ihr entgegen. Ein Mann mit rotem Hemd, einem schwarzen Umhang und einem schwarzen Hut. Nicht ungewöhnlich für Trent, auch wenn die Sachen sehr neu aussahen und der Mann wirkte, als hätte er mehr Geld, als er je ausgeben könne; das, was diesen Mann jedoch so einzigartig unter den anderen Bewohnern Simkeas machte, waren die Binden in seinem Gesicht. Die Binden und seine Augen.
Almatea erschauderte. Dieser Mann tat ihr furchtbar leid. Was musste mit ihm geschehen sein, dass er sein Gesicht versteckte? Der Mann selbst schaute sie mit Argusaugen an. Man hätte meinen können, er würde ihre Gedanken lesen. Almatea blickte zu Boden. Die Alte sah auf: „Guten Morgen werter Herr. Habt ihr meine Nichte gesehen? Sie ist noch fremd in der Stadt. Ihre Kleidung ist ziemlich bunt und ihre Haut von der Sonne der Berge gebräunt.“
Almatea stockte der Atem. Wie konnte sie den Mann bezüglich Eleonoras fragen? Wollte sie das Kind denn verraten? Sie versuchte die Alte von dem Mann weg zu zerren.

Darkman blickte die Alte durchdringend an. Die Frau neben ihr sah aus wie ein Mitglied der Gaukler. Konnte sie eine Dimensionengängerin sein? Wieso ließ sie sich von der Gauklerin führen? Was wollte sie ihm mit ihren Worten sagen? War Eleonora hier? Hier in Trent? Konnte es sein, dass man sie genau in seine Arme getrieben hatte? Darkman wagte nicht zu hoffen, dass es so einfach sein könne: „Nein Muttchen, ich habe deine Nichte nicht gesehen. Sagt, warum ist sie weggelaufen? Grämte sie sich danach in die Berge zurück zu kehren? Habt ihr das arme Kind gescholten?“, er klang nicht neugierig, lediglich interessiert, immerhin sollte ein Kind verschwunden sein. Würde man da nicht interessiert fragen?
„Mitnichten habe ich das arme Ding gescholten. Wieso sollte ich auch. Ich denke meine Nichte wird ihre Freundin suchen. Diese ist auch hierher gekommen und das Kind vermisst sie schmerzlich.“, die Alte blickte ihn unverwandt an. Mit keiner Miene ließ sie ihn wissen, ob es sich um Eleonora handelte, aber wer sollte es sonst sein? Ein Kind, das seine Freundin sucht. Die Freundin, die in seiner Gefangenschaft weilte. Darkman freute sich diebisch. Die Alte war doch das Geld wert gewesen, das er ihr zahlte. Sie hatte die Kleine ausfindig gemacht, das Portal erschaffen und nun gab sie ihre Informationen preis. Warum musste sie es nur ausgerechnet in Anwesenheit dieser Gauklerin tun? Darkman verneigte sich leicht: „Ich werde nach ihrer Nichte Ausschau halten. Versprochen.“, er tippte sich an die Krempe des Hutes und eilte davon.
Almatea schaute die Alte erschrocken und noch immer sprachlos an. „Wieso hast du den Mann nach Eleonora gefragt? Stell dir vor, er wäre ein Spitzel Darkmans. Stell dir vor, er erzählt es weiter und die Nachricht wird Darkman zugetragen. Was für einen Grund gibt es, dass du alle Welt fragen willst, ob sie das Kind gesehen haben?“, sie ließ den Arm der Alten los. Als die Alte keine Anstalt machte sich zu äußern, wurde Almatea laut und unwirsch: „Erkläre dich mir! Die Welt ist im Umbruch, das Kind aus der Prophezeiung, das uns alle retten soll ist verschwunden und wenn wir uns nicht vorsehen wird sie schneller in Darkman´s Fängen sein als wir Dunkelbohnentrank sagen können.“
Die Alte seufzte: „Ohne mich wüsstet ihr gar nichts von der Prophezeiung, warum soll ich mich dir jetzt erklären? Geh und such Eleonora, bevor ihr etwas passiert.“, sie drehte sich um und humpelte gebeugt und auf ihren Stock gestützt zurück zum Wirtshaus.

Auf der Spur

Darkman eilte durch die Gassen. Eleonora war auf dem Weg ihre Freundin zu suchen. Sie kannte sich in Trent und Simkea nicht aus, also wohin würde sie wohl laufen? Wo vermutete sie ihre Freundin? Er dachte scharf nach und überlegte, wohin es Eleonora wohl treiben könnte. Keiner kannte sein wahres Ich, kein Mensch wusste, wo er Isabell versteckt hielt, welchen Weg würde sie also einschlagen? Er überlegte grade die Goblins auf die Suche nach ihr zu schicken, als es ihn wie ein Blitz durchzuckte. Die Goblins! Eleonora hatte sie gesehen und würde bestimmt nach ihnen suchen. Wenn sie jemanden nach dem Weg zu den Goblins fragte, würde sie mit Sicherheit in den Dämmerwald geschickt werden. Darkman beschleunigte seinen Schritt. Er musste unbedingt dafür Sorge tragen, dass die Goblins im Dämmerwald Ausschau nach Eleonora hielten. Er eilte in die nächste Gasse, riss eine Tür auf und brach in die Wohnung dahinter mit einem lauten Getöse. Der Goblin, der dort Wache bezogen hatte, fiel vornüber auf den Boden und fluchte fürchterlich.

Darkman rappelte sich auf, räusperte sich und half dem Goblin auf die Füße.

„Verzeih!“, murmelte er.

„Herr, warum seid ihr so in Eile?“, fragte der Herr des Hauses. Eine Familie Trents lebte in diesen Mauern, ein Mann, seine Frau und dessen zwei Kinder. Er war einer der Treiber, die damals Eleonora jagten und jämmerlich versagt hatten. Zur Strafe musste er seitdem einigen Goblins Obdach gewähren, so hatte Darkman ihn unter Kontrolle und konnte seine Angst weiterhin schüren. Darkman sah den Mann erzürnt an. „Eleonora ist in der Stadt. Das Kind ist wohl Richtung Dämmerwald gelaufen.“, herrschte er und wandte sich dem Goblin zu. „Geb Bescheid, dass jeder nach dem Kinde Ausschau hält. Lasst sie nicht entkommen.“ Er drehte sich wieder dem Treiber zu:“ Sollte sie noch in Trent sein, dann müsst ihr sie finden. Geht, holt die Hunde und lasst sie ihre Spur aufnehmen. Das Mädchen wurde im Wirtshaus versteckt.“

Darkman schaute den Treiber wütend an: „Beeilt euch und starrt hier keine Löcher in die Luft! Sucht das Kind!“

Der Treiber sog erschrocken die Luft zwischen den Zähnen ein und eilte aus dem Haus. Die Frau des Treibers war während Darkmans Rede kalkweiß geworden. Ob es der Tatsache zu zuschreiben war, dass Eleonora in Simkea weilte oder der Tatsache, dass ihr Mann versagen könnte und damit seinen Zorn auf sich ziehen würde, Darkman war es egal. Er wusste, dass allein die Goblins auf seiner Seite standen und die wenigen Familien Trents nur seiner Sache folgten, weil er sie in der Hand hatte, weil sie ihn fürchteten oder weil sie kleine Sadisten waren und ihre Freude daran hatten, andere in Angst und Schrecken zu versetzen.

Ein Grund war so gut wie der andere. Er brauchte die Menschen nicht. Er selbst hatte seine Freude daran sie das Fürchten zu lehren. Sollten sie doch Angst vor ihm haben oder glauben, sie wären ebenso gemein und furchterregend wie er. Darkman konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Im Wirtshaus regte sich Almatea noch immer über die Alte auf. Sie schimpfte mit ihr und überlegte laut, welche Folgen ihr Handeln haben könnte. Sie blickte die Alte argwöhnisch an. Was wohl in ihr vorging? Warum hatte sie grade den unheimlichen Mann mit den Binden gefragt? Almatea wurde das Gefühl nicht los, dass die Alte einen riesigen Fehler begangen hatte.

„Ich ziehe los und suche Eleonora. Das Kind muss ja irgendwo sein und während ihr hier wartet in der Hoffnung auf ihre Rückkehr oder dass sie Darkman in die Hände fällt, werde ich meine Augen offen halten, um sie heil zurück zu bringen.“, sprach sie entnervt in die Runde und eilte aus dem Wirtshaus. Ihr Umhang blähte sich auf, als sie die Tür aufriss und auf den Marktplatz trat. Der Wirt schaute ihr erstaunt hinterher. Was war bloß dort draußen passiert? Er blickte fragend in das Gesicht der Altenm die sich laut seufzend an einen der Tische setzte: „Lass sie gehen. Sie ist wütend und das nicht ohne Grund. Soll sie das Kind doch suchen. Es wird geschehen, was geschehen soll und auch wenn sie glaubt, sie hätte die Weisheit für sich gepachtet, so muss sie selbst lernen, dass das Leben manchmal anders verläuft als erhofft. Und nun bring mir bitte einen Humpen Met.“

 

 

 

Auf eigene Faust

Eleonora erwachte. Noch während sie die Augen aufschlug, wurde ihr bewusst, dass sie nicht in ihrem Bett lag. Sie nahm den Geruch um sich herum wahr, das Licht erschien ihr dunkler als zuhause und die Geräusche waren ihr fremd. Eleonora versuchte sich zu orientieren und als die Erinnerung sie einholte, blieb sie atemlos liegen. Sie schaute sich um. Eleonora lag in einer kleinen Kammer. Die Kammer enthielt nichts, als das Bett auf dem sie lag, ein Fenster, einen Tisch, einen Sessel und als sie sich ein wenig verrenkte, konnte sie auch die Tür des Zimmers ausmachen. Wo war die Alte bloß hin? Eleonora schaute sich ein zweites Mal in dem Zimmer um, alleine um sicher zu gehen, dass sie keine Nische, keine Ecke übersehen hatte. Es musste früher Morgen sein, aber Eleonora stand dennoch auf um sich ein Bild von der Stadt und der genauen Tageszeit zu machen. Das Fenster bestand aus einfachem Glas, das in einen hölzernen Kreuzrahmen gefertigt worden war, so dass sie eigentlich aus vier kleinen Fenstern guckte. Der Tag war grade erst angebrochen, das Himmelsrot begann langsam zu verblassen. Vom Fenster aus konnte Eleonora auf den Marktplatz sehen, der um diese Uhrzeit kaum gefüllt war. Die wenigen Menschenn die sie sah, schlichen auf leisen Sohlen durch die Gegend, als wenn sie sich fürchteten. Sie gingen gebeugt und ohne ein Lächeln auf dem Gesicht. Es war kein Vergleich zu dem Markt in Altamor, wo geschwatzt, gefeilscht und gelacht wurde. Eleonora erschauerte. Die Schwere ihrer Last wurde ihr bewusst. Das Glück dieser Menschen hing allein von ihr ab. Eleonora wand sich vom Fenster ab und ging auf die Tür zu.
Der Flur war menschenleer. Auch die Tür zur Gastwirtsfamilie blieb geschlossen. Auf Zehenspitzen lief Eleonora zur Treppe und blieb auf der ersten Stufe stehen, als sie hörte wie sich jemand unterhielt.
„Was glaubst du ,wie lange sie noch schlafen wird?“, hörte sie Almatea fragen.
„Das Mittel im Wasser war stark, gib ihr noch etwas Zeit.“, die Stimme schien der Alten zu gehören, auch wenn Eleonora noch immer verwundert darüber war, wie jung sich die Stimme anhörte.
„Wird sie ihre Aufgabe erfüllen?“, fragte eine männlich tiefe Stimme, in der leichte Sorge und Zweifel mitschwang, wahrscheinlich die des Wirtes.
Die Alte seufzte: „Sie wird, nur wie, mag nicht mal ich vorhersagen.“
„Sollen wir ihr sagen, dass ihre Freundin noch lebt?“, fragte Almatea in die Runde und Eleonora atmete laut ein. „Ich denke nicht, dass diese Nachricht zu diesem Zeitpunkt hilfreich wäre.“, beantwortete die Alte Almateas Frage: „Was nützt es uns außerdem. Darkman weiß noch nicht, dass sie hier ist und es wäre von Nutzen, wenn dies noch lange Zeit so bleiben würde. Wir können nichts für ihre Freundin tun. So leid es mir tut, aber wir müssen einfach abwarten.“
Eleonora erstarrte. Sie wollten Isabell nicht zur Hilfe eilen? Sie drehte sich so leise wie möglich um und ging zurück ins Zimmer. Dort angekommen wanderte sie leise, wenn auch ruhelos auf und ab. Isabell lebte. Irgendwo war ihre Freundin in den Fängen ihres größten Feindes und keiner wollte etwas dagegen tun. Ohnmächtige Wut machte sich in Eleonora breit. Sie würde nicht zulassen, dass noch ein Mensch sein Leben lassen würde, bloß weil dieser etwas mit ihr zu tun hatte. Eleonora blieb vor dem Fenster stehen und blickte hinaus. Von hier würde sie nicht entkommen, also musste sie es über ein anderes Zimmer versuchen.

Mit laut klopfendem Herzen trat sie leise in den Flur hinaus. Gleich an der ersten Tür zu ihrer linken legte sie ihr Ohr aufs Holz. Kein Laut war von drinnen zu vernehmen. Vorsichtig drückte sie die Klinge hinab in Erwartung einer quietschenden Tür, eines Gastes, der vor Schreck erstarrt in diesem Zimmer sitzen könnte oder schlimmer noch, einem Gast der mit einem Dieb rechnete und in Erwartung hinter der Tür stand, einen schweren Gegenstand oder eine Waffe in der Hand. Trotz ihrer Befürchtungen war niemand im Zimmer, die Tür glitt ohne einen Laut auf und als Eleonora die Tür hinter sich schloss, fand sie zu ihrer großen Freunde einen dunkelbraunen Umhang hinter der Tür an einem Nagel. Sie eilte zum Fenster und wieder hatte sie Glück. Gleich unter ihrem Fenster war ein Schuppen, von dem aus sie ohne Probleme in eine Gasse springen konnte. Eleonora ging zurück zu dem Umhang, warf ihn sich über und kletterte aus dem Fenster hinunter auf den Schuppen. Wenn keiner Isabell helfen wollte, dann würde sie ihre beste Freundin retten müssen. Prophezeiung hin oder her. Wie sie das anstellen wollte, das wusste sie nicht, aber zumindest war sie bereit zu handeln. Eleonora sprang vom Dach des Schuppens, zog sich die Kapuze des Umhangs tief in die Stirn und begab sich durch die Gasse von Trent, weg vom Wirtshaus, raus auf den Markt.

Katz und Maus Spiel

Eleonora folgte dem Goblin durch die Gasse. Sie drückte sich an den dunklen Wänden entlang, versuchte den Goblin nicht aus den Augen zu lassen und tat ihr möglichstes nicht entdeckt zu werden. Die Haare an ihrem Rücken stellten sich bei dem Gedanken auf, dass dieses Monster sie riechen könnte, dass sie direkt in eine Falle lief und sie fragte sich was diese Wesen eigentlich fraßen. Sie erschauderte. Wie sollte sie sich vor dem Goblin verstecken, wenn sie die verwinkelten Gassen erstmal verließen? Die Sonne wanderte unbeeindruckt von ihren Problemen immer höher den Himmel hinauf und sie hatte nicht einmal die leiseste Ahnung wohin sie beide laufen würden. Wie weit war es wohl noch und lief das Wesen überhaupt direkt zu seinem Herren? Eleonora fluchte, diese Verfolgungsjagd war so ungeplant. Vielleicht wäre sie doch besser in dem Wirtshaus geblieben und hätte die anderen überredet ihr zu helfen. Sie versteckte sich in einer Nische als der Goblin von der Straße ins Licht trat. Wie sollte sie ihm nun folgen? Sie sah wie der Goblin rechts in die nächste Gasse einbog, zählte bis drei und rannte durchs Licht in die Gasse hinein. Im ersten Moment war sie fast blind, da der Wechsel vom Licht in den Schatten so stark war. Sie blieb stehen und betete, dass der Goblin sie nicht bemerkt hatte, nicht vor ihr im Dunkel wartete. Sie drückte sich an die Wand und lauschte. Nichts war zu hören, es schien, als wäre das Monster ihrer Alpträume schon weiter gegangen und hätte sich in Luft aufgelöst. Sie atmete laut aus und auch wenn sie froh darüber war unentdeckt geblieben zu sein, machte sie sich doch Sorgen, dass sie den Goblin endgültig verloren hatte. Die Gasse war lang und am Ende wartete das Stadttor auf sie.

Wo in Altamor ständig Händler ein und ausgingen und bis zu zwei Wachen pro Seite nötig waren um den ständigen Strom von Menschen zu überwachen, war das Stadttor Trents menschenleer, nur eine Wache stand mit großen, erschrockenen Augen an der Seite und starrte den Goblin, der vor ihr stand, angstvoll an. Eleonora sog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein und blickte verwirrt auf die Szene, die sich ihr bot. Der Goblin trat ohne jede Angst vor die Wache, er schien sogar hochmütig auf den armen Mann hinab zu blicken. Der Mann wiederum stand stocksteif vor dem Wesen, das anscheinend nicht nur ihr wie ein Alptraum vorkam. Langsam ging der Goblin an der Wache vorbei, als er fast schon durch das Stadttor getreten war, drehte er sich noch einmal um und schaute grinsend zu dem zitternden Mann. Dann ging er weiter seines Weges. Eleonora zuckte zusammen. Was war hier los? Warum ließen sich die Menschen in Trent so ein Verhalten gefallen? Wie konnte ein Wesen nur solch eine Macht gewinnen? Sie schaute mitleidig zu der Wache und trat hinaus ins Licht. Der Mann zuckte zusammen, als er ihre Bewegung wahrnahm, entspannte sich jedoch sichtlich, als er bemerkte, dass sie kein weiterer Goblin war.

„Guter Mann, sagt mir bitte, wissen sie wohin der Goblin geht?“, fragte sie vornheraus. Vielleicht würde sie so am ehesten Antwort erhalten. Die Wache erbleichte.
„Wer den Goblins folgt ist des Todes. Kind, hüte dich dem Wesen der Finsternis zu folgen. Du wirst es bitterlich bereuen.“, seine Stimme zitterte,als er diese Worte sprach.
Eleonora lächelte ihn mitleidig an. „Ich habe keine Wahl mein Herr und wenn es meinen Tod bedeutet, so muss ich doch dem Wesen folgen. Bitte habt Erbarmen und sagt mir, wohin es unterwegs ist.“

Ihre Worte mussten sehr verzweifelt geklungen haben, denn sein Blick wurde weich und auch er schien ein mitleidiges Lächeln aufsetzen zu wollen, aber es misslang ihm: „Die Goblins sind im Wald zu hauf zu finden. Ich würde mein Glück dort versuchen. Wenn man es Glück nennen kann sein Leben dafür aufs Spiel zu setzen. Ich hoffe, du weißt was du tust.“
Nun war sie sehr aufgeregt, ihr wurde klar, dass sie mit dieser Information nicht mehr genötigt war den Goblin im Auge zu behalten, dass sie nicht mehr Gefahr lief, bei ihrem Katz-und-Maus-Spiel entdeckt zu werden. Sie seufzte erleichtert auf.
„Wo kann ich den Wald finden?“, fragte sie den Wächter lächelnd.
Der Mann sah sie erstaunt an: „Der Wald liegt in nördlicher Richtung. Wenn du immer geradeaus läufst kommst du irgendwann am Pranger vorbei, halte dich von dort aus in nordwestlicher Richtung und du wirst den Wald bald sehen. Im Wald gibt es eine Ruine. Den Geschichten der Jäger nach zu urteilen laufen dort in letzter Zeit besonders viele Goblins herum. Pass auf dich auf.“, noch immer schaute er sie voller Erstaunen an und ihr wurde klar, dass es wohl an ihrem Lächeln oder ihrer Unwissenheit bezüglich des Waldes lag.
Sie wurde augenblicklich ernst: „Ich danke ihnen.“, traurig blickte sie in seine Augen. Wenn sie nur wüsste, wie sie die Prophezeiung erfüllen könnte, um diesen armen Menschen zu helfen.
„Auf Wiedersehen.“ Sie winkte ihm zum Abschied und eilte durch das Stadttor, auch wenn sie jetzt wusste, wohin der Goblin gehen würde, wollte sie ihm doch nicht zuviel Vorsprung lassen.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

 

 

„Was soll das heißen sie ist euch entkommen?“ Darkman´s Stimme durchschnitt das Dunkel der Ruine. Er war wütend, so wütend wie ihn noch niemals jemand gesehen hatte. Er blickte auf das Bündel, das vor ihm lag. Eine blonde Frau, die im selben Alter wie Eleonora zu sein schien. Eine blonde, keine schwarze, NICHT Eleonora. Er schlug gegen einen Stein. „Wie konntet ihr sie nur entkommen lassen? Was ist geschehen?“ Der Goblin vor ihm stand still trotz Darkman´s unbändiger Wut. „Sie sprang aus dem Fenster, lief ins Feld und entkam. Mein Bruder wurde getötet, von einer Dimensionengängerin, von Almatea.“, er sprach den letzten Teil des Satzes aus, als wenn er etwas Bitteres, Giftiges im Mund hätte, es nicht runterschlucken wolle und die Worte deshalb durch zusammen gebissene Zähne sprach. „Du schuldest uns ein Leben!“

Bei den Goblins waren alle Mitglieder eine Familie. Egal ob man von derselben Mutter gezeugt wurde, man war ein Bruder des anderen. Wer immer einen Gefallen von den Goblins forderte, bei dessen Erfüllung einer ihrer Art sein Leben ließ, war in der Schuld der ganzen Goblinrasse. Darkman schuldete den Goblins jetzt ein Leben. Es war den Goblins egal, wie es bezahlt wurde. Ob Darkman Almatea tötete, ob er sein Leben für den gestorbenen Goblin gab oder die Familie ausbezahlte. Er stand in ihrer Schuld und er wusste genau, dass die Situation es nicht zuließ, dass er den Tod eines der ihren einfach so überging.

Darkman atmete tief: „Es tut mir leid um das Leben deines Bruder. Ich stehe in eurer Schuld und werde diese begleichen. Richte der Familie mein Beileid aus. Wenn es mir möglich ist, werde ich ihnen noch heute einen Besuch abstatten, aber erstmal muss ich zusehen, wer dies ist und was sie mit Eleonora zu tun hat.“, er seufzte. „Verstehst du wie wichtig dies für mich ist? Ich möchte den Tod deines Bruders nicht herabwürdigen, ich werde mir einen Weg überlegen, wie ich seinen Tod ehren kann. Ich gebe dir mein Wort.“

Der Goblin verzog keine Miene und dennoch wusste Darkman, dass er seine Worte gut gewählt hatte. „Gut, ich werde es ihnen ausrichten. Die Frau war im Haus von Eleonora.“ Der Goblin blickte hinab auf die Frau. Ihre Augen waren verbunden worden, genauso wie ihre Arme und Beine. Ihr Mund war geknebelt. Er hatte die falsche Person zurück gebracht und seinen Bruder verloren. Darkman konnte seine Schuld später noch begleichen. Wichtig war nur, dass er den Tod seines Bruders als Verlust anerkannte und diesen bezahlen würde. Wie, das war egal.

Darkman sah den Goblin an: „Geh! Geh und berichte der Familie, dass ich heute noch kommen werde. Sollte ich noch Fragen haben, werde ich dich holen lassen.“ Seine Worte waren hart, aber nicht respektlos. Der Goblin drehte sich um, nicht ohne noch einen Blick auf die Frau zu werfen. Er empfand kein Mitleid für sie, was immer ihr Schicksal sein würde. Er grinste, während er sich zu seiner Familie aufmachte und darüber nachdachte, wie der blonden Frau wohl ein Darkman gefallen würde, dessen Zorn grade unermesslich war.

Darkman riss die Augenbinde von Isabells Kopf und sah wie ihre Augen sich angesichts seines Anblickes weiteten. „Willkommen Prinzessin, willkommen in meinem Reich.“, er machte eine ausholende Geste. „Ich weiß, ich sehe nicht aus wie ein Prinz und mein Königreich eher wie eine Ruine, aber ich habe nie behauptet, dass mein Königreich schön wäre und solltest du mir nichts nützen, dann wirst du in ihm lebendig eingemauert werden.“ Darkman lachte auf und Isabell fing an zu weinen. Ihr wurde klar, dass dies der schlimmste Albtraum ihres Lebens zu werden drohte, nur das dies kein Albtraum war.

Wie kann ich dieses Kind sein?“, Eleonora stiegen die Tränen in die Augen. „Was soll ich denn tun? Ich bin nur ein einfaches Mädchen. Ich kann weder von einer Dimension in die nächste wechseln, noch habe ich besondere Fähigkeiten.“, sie streckte Almatea die leeren Handflächen entgegen, wie um zu zeigen, dass dort nichts war, kein Zauber, keine Magie und schon gar kein Zeichen, dass sie dieser Mensch sein sollte, von dem Almatea gesprochen hatte.
„Ihr müsst euch irren. Vielleicht ist noch ein Mensch in dieser Nacht geboren worden. Es kann unmöglich sein, dass ich das einzige Kind war.“, sie schaute Almatea hilfesuchend an.
Almatea setzte den Humpen hart auf dem Tisch, ihre Stirn legte sich in Zornesfalten: „Glaubst du nicht mir wäre es lieber, das keiner in jener Nacht sterben musste? Glaubst du nicht, dass wir alle es besser gefunden hätten, wenn die Alte sich geirrt hätte? DU bist das Kind. Wie du die Prophezeiung erfüllst, weiß ich nicht. Es hat keiner gesagt, dass du magische Fähigkeiten hättest, es hat keiner davon gesprochen, dass du es gerne machen wirst, aber dennoch bist du das Kind aus der Prophezeiung. Du glaubst, du hast das Recht wegzulaufen? Werde endlich erwachsen, Eleonora. Das Leben ist kein Spaziergang über eine sonnendurchflutete Wiese.“ Sie seufzte auf, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und schaute traurig drein. „Mein Ausbruch tut mir leid. Komm mit!“

Almatea ließ den Humpen auf den Tisch stehen und ging die Treppe ins Gasthaus hoch. Eleonora stand von ihrem Stuhl auf und folgte ihr, Eleonoras Herz schlug heftig bei dem Gedanken, was dort alles auf sie warten könne. Sie wünschte, sie wäre zuhause, ihre Mutter würde noch leben und Isabell wäre bei ihr. Wie es Isabell wohl ging? Noch ein Leben, dass sie auf dem Gewissen hatte. Ihre Mutter, die Frau ,die sie gerettet hatte und nun auch noch ihre beste Freundin. Eleonora seufzte. Würde dieser Albtraum niemals enden? So viele Menschen waren gestorben und alle verband eine Person, sie. Sie und eine Prophezeiung. Wie konnte man nur an so etwas glauben? Sie schüttelte den Kopf, während sie die letzten zwei Stufen zum Gasthaus nahm.

Almatea ging über den Flur. Links neben Eleonora öffnete sich eine Tür. Ein Kindergesicht schaute sie an. Das Kind war schwarzhaarig so wie sie, die Augen tief eingefallen, das ganze Kind erstarrte vor Schmutz. Es trug nichts weiter als ein Hemd, das ihm erst in 3 Jahren passen würde, aber das Hemd sah aus, wie etwas, dass verbrannt gehörte. Einen kurzen Augenblick überlegte Eleonora welche Krankheiten dieses Kind wohl haben möge, welches Ungeziefer es mit sich herum trägt. Eleonora schaute dieses Kind an, nicht mal 4 Jahre alt musste es sein, so klein und so arm, sie lächelte das Kind an und sah, wie sich dessen Augen vor Schreck weiteten, es wich schnell zurück ins Zimmer und schlug die Türe zu.
„Komm, ich möchte dir jemanden vorstellen.“, Almatea war zurück gekommen und legte die Hand auf Eleonoras Schulter. „Du wirst die Familie des Gastwirtes noch morgen kennen lernen.“
Eleonora erschauerte. Die Familie des Gastwirtes? Entweder kam er mit seinem Geld nicht zurecht, oder er hatte kaum Gäste. Sie kannte zwei Gastwirtsfamilien in Altamor, aber keine von ihnen war arm. Altamor, wieder entwich ihren Lippen ein Seufzen, wie weit ihr Heimatort doch weg war. Sie ließ sich von Almatea zu der Tür ganz am Ende des Flures führen. Sie konnte hören, wie die Tür hinter ihr erneut geöffnet wurde. Spürte den neugierigen Blick des Kindes in ihrem Rücken. Sie hatte Angst durch die Tür vor ihr zu gehen, aber es gab kein zurück. Almatea umklammerte ihre Schulter so sehr, dass es weh tat. Sie konnte ihrem Schicksal nicht entkommen. Almatea öffnete die Tür.

„Willkommen in Trent mein Kind. Du hast eine lange und beschwerliche Reise hinter dich gebracht. Ruh dich aus. Dein nächster Weg wird viel beschwerlicher als der voran gegangene. Du bist die Hoffnung dieser Welt, also setzt dich hin, trinke Wasser, iss ein wenig Brot und sammle Kraft für die Aufgabe, die dir zugeteilt geworden ist.“, vor Almatea und Eleonora stand eine Alte, die nicht aussah, als hätte sie ihre 80 Jahre schon erreicht, sondern als wären ihre Enkel schon nahe dem Alter. Sie war tief gebeugt, das Haar weiß und unglaublich lang, selbst mit dem Knoten im Haar reichte es noch bis zu ihrer Hüfte hinab. Ihre Nägel, sie waren lang und gelb, an den Enden ringelten sie sich schon zu einer Schnecke zusammen. Eleonora wich zurück. Sie hatte Angst, dass die Alte sie anfassen würde. Hatte Angst vor dem, was dann passieren könnte. Das Gesicht des Muttchens war durchzogen von Falten, so viele Falten. Sie hielt sich auf einem Stock, breitete die freie Hand aus und zeigte auf ein Bett. „Setz dich! Ruh dich aus! Hab keine Angst.“, ihre Stimme passte so gar nicht zu ihrem Aussehen, sie war warm und jung und obwohl ihre Stimme klar machte dass sie kein Nein akzeptierte, hörte sie sich dennoch sehr freundlich an. Eleonora setzte sich aufs Bett und bekam sofort einen Krug mit Wasser gereicht. Plötzlich hatte sie Durst. Sie trank einen Schluck und kurze Zeit später drehte sich alles um sie herum, so lag sie auf dem Bett, ruhte sich aus, wie die Alte es befohlen hatte. „Geh Almatea, wenn sie aufwacht werde ich nach dir rufen. Ich passe schon auf sie auf. Heute abend wird ihr nichts geschehen.“, die Alte schaute liebevoll auf Eleonora und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, als die Tür hinter ihr sich leise schloss.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

 

Das nächste, was Eleonora sah, waren Stühle und Tische. Es sah aus wie eine Kneipe. Eine dunkle, leere Kneipe, leer bis auf den Wirt, der Almatea zunickte. Almatea nickte zurück: „Gibst du uns bitte zwei Met?“, fragte sie den Wirt in einem Ton, der jedem sofort klar machte, dass die zwei sich nicht nur oberflächlich kannten. „Möchtest du einen Humpen Met?“, Almatea schien erst jetzt auf den Gedanken gekommen zu sein, dass Eleonora vielleicht kein Met trank. Aber Eleonora war grade alles egal, der Schock saß noch zu tief, sie wollte Antworten und es war ihr nicht wichtig, welches Getränk dabei vor ihr stehen würde.
Die Kneipe war durch den vollen Mond, der durch die Fenster schien, gut zu überblicken. Der Wirt ging hinter den Tresen und kam mit zwei Humpen Met zurück. Almatea und sie setzen sich an einen der Tische. „Bitte, geh! Schau nach, ob Goblins durch die Stadt streifen. Hör dich vorsichtig um, ob unsere Ankunft bemerkt worden ist. Wir müssen vorsichtig sein.“ Almatea klang besorgt, sie seufzte und schaute dem Wirt hinterher, der immer noch schweigend aus der Kneipe verschwand.

Der Met war noch warm, als Eleonora ihn an die Lippen hob. Er schmeckte süß und sobald sie den ersten Schluck getan hatte, merkte sie, wie sich die Wärme in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Wieder rannen Tränen ihr Gesicht herunter. Der ganze Schmerz des vergangenen Tages, der zurückliegenden Stunden brach aus ihr heraus. Sie nahm noch einen tiefen Schluck. Sie nahm warh, dass der Met ihr in den Kopf stieg, ihre Gedanken benebelte, aber sie wollte Antworten erhalten, also zwang sie sich, den süßen Trank auf den Tisch zu stellen und rührte ihn nicht mehr an. Sie wollte verstehen, was hier vor sich ging, verstehen, warum grade ihr so viel Unglück zuteil wurde. Sie blickte durch Almatea hindurch an die Wand, ohne wirklich etwas anzuschauen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie zwang sich Almatea anzublicken.
Almatea schaute besorgt: „Alles in Ordnung?“ Eleonora seufzte tief: „Wie sollte etwas in Ordnung sein? Meine Mutter ist tot, meine beste Freundin verschleppt. Furchtbare Kreaturen, Goblins hast du sie, glaube ich, genannt, brechen in unseren Hof ein und nun bin ich Gott weiß wo.“ Sie sah verzweifelt aus, klang mit einem mal viel älter als noch vor ein paar Tagen und fühlte sich, als sei sie um Jahrhunderte gealtert. „Was ist hier los Almatea? Sag mir, was hier passiert.“ Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. Bittend schaute sie die einzige Person, der sie wohl oder übel vertrauen musste, an.
Almatea fuhr sich durchs Haar und biss auf ihre Unterlippe, sie blickte auf das junge Mädchen. Ob sie es verkraften würde, die ganze Wahrheit zu erfahren? Ob sie einen Fehler begonnen hatte, sie zu kontaktieren? „Eleonora, ich weiß, dass dies alles schwer für dich sein muss. Wo fange ich bloß an? Bei deiner Geburt? Bei der Last, die dir schon damals auferlegt wurde? Früher, bei dem Anfang allen Übels? Bei deinen Eltern? Wenn es doch nur eine Antwort gäbe, welcher Anfang der richtige ist. Welcher Anfang dir das Verstehen möglich macht. Selbst wir, die schon seit Jahren von dir wissen, von deinem Schicksal, selbst wir wissen oft nicht genug. War es richtig von mir, dich zurück zu holen? So nah an den Feind? Irgendwie muss sich die Prophezeiung erfüllen, aber bist du schon bereit dazu?“ Wieder seufzte Almatea auf, aber diesmal klang es, als würde das Leid der ganzen Welt auf ihren Schultern lasten.
Im Nu war Eleonora wach, jede Verzweiflung wie weggewischt. Sie verstand kein Wort von dem was Almatea sagte, aber allein ihre Worte machten ihr klar, wie wichtig sie war.
„Mir ist egal, wo du anfängst. Ich möchte nur verstehen.“, erklärte sie und straffte ihre Schultern. „Von welcher Prophezeiung sprichst du? Welcher Feind? Du kanntest meine Eltern? Wo sind wir hier?“ Ihre Neugier brach sich Ihre Bahn.
Almatea lächelte schwach: „Gut, dann will ich dir alles erzählen, alles was ich weiß.“

„Dies hier ist Simkea. Die Stadt, in der wir sind, nennt sich Trent. In Simkea wurdest du geboren. Die Welt, die du kennst, ist eine von vielen möglichen Dimensionen und auch wenn du es für unwahrscheinlich hälst, dass es so etwas gibt, glaube mir, ich habe viele Dimensionen gesehen, denn ich bin eine Dimensionengängerin.“ Almatea seufzte und nahm noch einen tiefen Schluck ihres Mets. Der Humpen war nun leer und Eleonora schob ihr ihren zu. „Deinen Vater kenne ich nicht. Ich weiß aber, dass er lange vor deiner Geburt bei der Jagd ums Leben kam. Deine Mutter kannte ich nur oberflächlich. Sie war eine wunderbare Frau, nach dem Tod deines Vaters verdiente sie sich ihren Lohn auf dem Gutshof, wo sie sehr gute Arbeit leistete. Sie war ein wunderbarer Mensch und hübsch, du siehst ihr sehr ähnlich,“ sie lächelte Eleonora an. Es war ein schiefes Lächeln, aber Eleonora wurde dennoch warm bei dem Gedanken, dass sie ihrer Mutter ähnlich sein konnte, einer Frau, die man als wunderbaren Menschen bezeichnete.
Wieder seufzte Almatea auf: „Wir Dimensionengänger sind sehr feinfühlig, was bestimmte Dinge angeht. Schon weit vor deiner Geburt ahnte ein jeder von uns, dass etwas Großes auf uns zukommt. Etwas, das die Welt verändern würde. Seit Jahren schon geht es den Menschen in Simkea schlecht. Sie leiden. Sie haben den Frohsinn verloren und werden von Goblins unterjocht. Am schlimmsten trifft es bisher Trent. Kein Mensch weiß genau, wie er es anstellte, aber jeder kennt den Namen des Mannes, der ihr Lachen stahl und sie in einer Welt voller Grau zurück ließ. Darkman! Er ist der Anführer einer ganzen Horde Goblins, die dafür sorgen, dass wir nachts nicht mehr vor die Tür gehen, er vereinnahmt Gelder für sich, die für den König bestimmt sind und zwingt uns diese zu ersetzen. Er taucht nirgendwo selbst auf. Immer schickt er seine Goblins. Keiner weiß wie er aussieht, Darkman ist wie ein Schatten. Überall hat er seine Spione, man ist sich nicht mehr sicher wem man trauen kann. Es ist ein Leid. Aber schlimmer ist, dass die Menschen nicht mehr in der Lage sind zu lachen. Nicht in der Öffentlichkeit, nicht Zuhause. Seit nunmehr 30 Jahren ist das so. Wir werden alle krank Eleonora, viele sind schon gestorben. Alte, Junge, Kinder. Es wird manchen erst klar, was wichtig ist, wenn man es verloren hat. Lachen bedeutet Leben und ohne unser Lächeln sind wir dazu verdammt in einer Hölle aus Gleichgültigkeit zu leben. Egal was kommt. Es wird nichts Gutes sein.“
Almateas Augen blickten voller Trauer auf Eleonora: „Ich weiß, dass du das nicht verstehst. Du hast sie nicht gesehen. Die Einwohner dieser Dimension sind schlimm dran. Wir Dimensionengänger sind von diesem Unheil nicht betroffen, aber wir leiden mit diesen Menschen. Wer immer nach Trent kommt, verfällt der Gleichgültigkeit, inzwischen ist fast ganz Simkea betroffen. Kannst du dir eine Welt ohne Lachen vorstellen? Eine Welt, in der keiner lächelt?“ Eleonora schüttelte den Kopf, ihr Mund war ganz trocken. Plötzlich wünschte sie sich einen Schluck Met und als hätte Almatea ihre Gedanken erraten, reichte sie ihr den Humpen.
„Eine Welt ohne Lächeln, ohne Lachen ist eine arme Welt. Wir brauchten lange um zu erkennen, dass das Übel in Trent begraben liegt. Wie es zustande kam? Frag mich nicht. Wir haben alle keine Ahnung. Seit einiger Zeit kommen nur noch selten Händler nach Trent. Die anderen Händler haben Angst, ebenfalls solch tiefer Depression zu verfallen. Eltern von außerhalb erzählen ihren Kinder Gruselgeschichten über Trent, aber das Unheil verbreitet sich unaufhörlich.“
Almatea griff wieder nach dem Humpen. Sie leerte ihn in einem Zug, stand auf, ging zur Theke und füllte ihn neu. Als sie zurückkam, setzte sie sich nicht mehr hin. Sie stand vor dem Kamin, schaute ins Feuer und sprach mehr zu sich als zu Eleonora: „Wie brennt man eine Wunde aus, von der man nicht weiß, wo sie liegt? Ein Monster, von dem man nur gehört, das man aber noch nie gesehen hat?“, sie seufzte. „ Wie schon gesagt, lange vor deiner Geburt spürten wir einen Wandel. Etwas Großes, das unsere Welt verändern würde. Eine Woche vor deiner Geburt kam eine alte Dame zu unserem Zirkuszelt. Sie sprach nicht, schaute nur. Ihre knochigen Finger, ihre langen Nägel, sie war leicht gebeugt und stützte sich auf einen Stock. Ein Muttchen von mindestens 80 Jahren. Sie hob ihren Zeigefinger, tippte mit ihrem langen Nagel auf meinen Umhang und sprach: „Zwei Frauen werden sterben am Tag des schwarzen Mondes. Du kennst sie beide. Die eine wird ein Kind zur Welt bringen und dafür ihr Leben durch fremde Hand lassen. Die andere habe ich beauftragt, das Kind zu dir zu bringen, damit du für seine Sicherheit sorgst.“ Kannst du dir vorstellen, wie erstaunt ich war? Ich sah sie an und fragte, warum die andere Frau stirbt und sie erklärte mir, dass sie bei der Flucht sterben würde. Der Flucht, die sie veranlasst hat. Immerhin sollte diese Frau das Kind zu mir bringen. Beide sollte ich kennen. Mir stockte damals der Atem. Dieser Frau war es ernst, kein Zweifel. Sie wusste, wovon sie sprach. Ich fragte sie, warum sie die Frau mit dem Kind zu mir schickt, wenn sie weiß, dass die Frau dabei sterben würde und sie starrte mich böse und eindringlich an, angesichts meines Zweifels über ihr Tun und Handeln. „Dieses Kind ist wichtiger als alle Menschen, wichtiger als du, wichtiger als ich und erst recht wichtiger als die zwei Frauen.“ Ich bat sie, mir das zu erklären, wusste aber im selben Moment, dass mir nun das Wissen zuteil werden würde, mit dem ich das Gefühl etwas Großes käme auf uns zu, erklären könne. Sie erzählte mir also von der Prophezeiung: Ein Kind wird geboren in einer mondlosen Nacht. Ein Kind, zu binden was schon ewig getrennt, ein Kind, den Frieden zu bringen, wo Hass und Lüge die Flüsse und Felder vergiftet, seit Anbeginn der Zeit.“ Almatea drehte sich zu Eleonora um.
„Dieses Kind bist du Eleonora!“

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

 

Nach 3 Wochen  Pause geht es endlich weiter mit der Fortsetzungsgeschichte, bin selbst sehr gespannt, wie es weitergeht:

Almatea  (7)

Eleonora sprang zwischen die Maispflanzen, die Blätter wischten über ihr Gesicht, sie keuchte und versuchte sich zu erinnern in welcher Richtung vom Feld das Zirkuszelt liegen musste. Jemand der sie an einen anderen Ort bringen konnte, würde sie doch hoffentlich vor diesen Kreaturen beschützen können. Sie hörte den Goblin hinter sich, er war nur wenige Schritte entfernt. Sie konnte ihn riechen und musste würgen. Ohne inne zu halten sprang sie erneut durch die Reihen der Pflanzen und noch einmal, drehte sich im Lauf und rannte die Reihen hinab, anstatt hinauf wie bisher.
Kurze Zeit später sprang sie wieder durch die Pflanzen, drei zur Seite und dann blieb sie stehen, duckte sich und lauschte. Der Goblin musste ein bis zwei Reihen neben ihr sein, etwa 10 Fuß weit weg von ihr. Sie versuchte seine Beine zu sehen und beugte sich etwas nach vorne. Sie erstarrte! Genau vor ihr stand der Goblin, auch er war stehen geblieben und lauschte. Dann hörte sie wie er schnüffelte und den Kopf schief legte. Er kicherte und sprach dann heiser in einem Singsang: „ Wo bist du, kleine Eleonora? Wo bist du? Wir werden dich eh finden. Wir tun dir auch nichts. Wir bringen dich nur zu unserem Herrn und Meister. Er möchte dich gerne kennen lernen Eleonora.“, seine Stimme klang alt, unsagbar alt und moderig. Sie glaubte ihm kein Wort, duckte sich noch ein Stück und atmete so flach wie nur möglich.
Plötzlich bewegte sich der Goblin sehr schnell, er rannte nach rechts und hechtete in die Reihe in der sie saß, ein Hase hatte sich etwas weiter weg von ihr bewegt und war in ihre Reihe gesprungen. Eleonora hechtete durch die Pflanzen in die Reihe, in der der Goblin vorher gestanden hatte und fing wieder an zu laufen.

Erst als das Feld zu Ende war, stoppte sie und keuchte. Die Hände auf die gebeugten Knie gelegt holte sie einmal tief Luft. Sie versuchte zu hören, ob der Goblin ihr noch folgte, aber ihr Herzschlag überdeckte alle anderen Geräusche. Unvermittelt brach neben ihr jemand aus dem Feld. Eleonora zuckte zusammen und stellte sich auf um ihr Leben zu verteidigen. Almatea stand neben ihr, sie trug ein langes Schwert, von dessen Scheide es grün tropfte. Sie drehte sich leise zu ihr um, noch immer trug sie dieselben Sachen wie gestern. Gestern. War es wirklich erst eine Nacht her ,dass sie Almatea getroffen hatte? Dass ihr ganzes Leben sich von Grund auf geändert hatte? Ihre Mutter war tot, Isabell wahrscheinlich auch und alles war nur ihre, Almateas Schuld. Seitdem sie in ihr Leben getreten war, brach es zusammen. Eleonora spürte, wie die Tränen über ihr Gesicht liefen, sie hörte sich schluchzen, aber es hörte sich an, als wenn ein anderer sich seinem Seelenschmerz ergab. „Pssscht!“, flüsterte Almatea und legte den Zeigefinger auf ihre Lippen. „Sie haben sehr gute Ohren.“
Eleonora schluckte ihre Tränen runter, schaute zum Feld und flüsterte:“ Was sind sie? Wo kommen sie her? Wer ist ihr Meister?“ Ihr ganzes Gesicht war vor Verzweiflung verzerrt. Sie wollte Antworten. Sofort. Sie wollte in Sicherheit sein, nein, lieber wollte sie aus diesem Albtraum aufwachen, denn dies konnte unmöglich ihr passieren. Sie war doch nur die Tochter armer Bauern. Sie seufzte laut auf. Almatea schaute sie mitleidig an:“ Ich werde dir alles erklären. Wenn Zeit dafür ist.“, sie steckte das Schwert zurück in die Scheide, die neben ihrem Hosenbein hing, bewegte sich auf Eleonora zu und packte sie an den Schultern. „Ich habe gespürt, dass ein Portal geöffnet wurde. Wie viele Goblins waren es? Einen habe ich getötet, aber ich muss wissen, wie viele es noch sind.“ Eleonora schaute Almatea groß in die Augen. Getötet? „Es waren zwei. Also, ich habe zwei gesehen. Ob mehr dort waren weiß ich nicht. Sie haben Isabell, meine Freundin.“, wieder stiegen ihr Tränen in die Augen.
Almatea seufzte laut auf: „Gut, nur einer ist übrig. Wir sollten schnell verschwinden. Für Isabell können wir momentan nichts tun. Es gibt eh nur die zwei Möglichkeiten, dass sie sie mitnehmen oder töten, aber ich würde mein Schwert darauf verwetten, dass Darkman sie als Pfand behält.“
Eleonora schaute sie verwirrt an. Pfand? Darkman? Sie schüttelte den Kopf.
Almatea fasste ihren Mantelsaum und warf ihn über Eleonora. Wo sie eben noch gestanden hatten war das Gras nun leer.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

 

Der Überfall 20. Juli 2009

Es war spät geworden. Der Pfarrer musste geholt werden, die Mutter gesegnet, es wurde darüber entschieden, sie morgen in aller Frühe auf dem Friedhof zu begraben und irgendwann war Eleonora eingeschlafen. Isabell schaute auf sie hinab. Wie schön sie war. Wie unsagbar unschuldig sie im Schlafe wirkte. Sie strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Manchmal legte sich Eleonoras Stirn in Falten, so als wenn sie schlecht träumen würde oder sich über irgendetwas ärgerte. Isabell war müde, aber sie wollte nicht nach Hause, ihre Freundin nicht alleine lassen. Sie würde auf dem Stuhl neben Eleonoras Bett schlafen, über sie wachen und morgen, ja morgen würde hoffentlich ein neuer, besserer Tag anbrechen. Langsam fielen ihr die Augen zu.

Ein Krachen drang an Isabells Ohren und sofort war sie wach. Sie blickte zu Eleonora, doch die schien von dem Krach nichts mitbekommen zu haben. Isabell lauschte. Leise Schritte waren im Haus zu vernehmen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Was tun? Im Zimmer gab es nichts, das der Verteidigung gedient hätte, also musste sie hinaus aus dem Zimmer. Isabell schlich leise die Treppe hinab zur Küche, die gleich neben Eleonoras Zimmer war. Kurz bevor sie in den dunklen Raum trat, lauschte sie noch einmal auf die Geräusche des Hauses.
Eine Hand wickelte sich um die ihre, als sie den nächsten Schritt tat. Eine grüne Hand mit entsetzlich gelben Fingernägeln, die Hand eines Wesens, das schlimmer war als jeder Albtraum. Isabell schrie, das Wesen schlug sie ins Gesicht und sie brach zusammen.

Eleonora wurde wach. Hatte da jemand geschrien? Sie vernahm ein Poltern im Haus. „Isabell?“, besorgt schaute sie sich um. Isabell war nirgends zu sehen. Eleonora stand auf. Sie lauschte. Jemand war im Haus und die Laute, die sie hörte, ließen ahnen, dass sie in Gefahr war. Ihr Blut pumpte laut durch ihren Körper, so laut, dass sie die Geräusche von unten kaum vernahm. Es klang, als wenn etwas Großes durch die Küche geschleift werden würde. Jemand sprach, es klang unmenschlich, alt und die Stimme war so tief, dass Eleonora kein Wort von dem verstand, was dort unten gesprochen wurde. Ein Bild schoss ihr durch den Kopf. Ein Bild von einem Wesen mit grüner Haut. Sie erschrak. Das konnte nicht sein. Ihr Albtraum sollte Wirklichkeit geworden sein? Und wo war Isabell? Eleonora atmete tief ein und ging zum Fenster. Bis zur Erde waren es etwa 13 Fuß und nur das Gras würde ihren Aufprall bremsen. Sie überlegte, ob sie dieses Risiko eingehen sollte, als sie sah wie etwas aus dem Haus kam, ihre Freundin lag bewusstlos über den Schultern des Wesens und wie Eleonora jetzt feststellen musste, war es schlimmer als ihr Albtraum,- viel schlimmer.
Das Wesen, das Isabell verschleppte, war so groß wie ein Mensch, dabei aber dünn und sehnig wie jemand, der jeden Tag schwere Arbeiten ausführen musste. Es hatte lange Finger mit gelben, spitzen Fingernägeln und sein Gesicht war entsetzlicher als alles, was sie bisher gesehen hatte. Die Ohren des Wesens waren ebenso grün wie der Rest des Körpers und standen spitz vom Kopf ab. Die Zähne waren spitz und leuchteten gelb in der Nacht. Das ganze Gesicht erinnerte an eine Totenmaske. Die Haut wirkte ledern und die Lippen waren so klein, das die Zähne riesig wirkte. Eleonora erzitterte. Sie atmete laut aus und überhörte so die Schritte auf der Treppe. Erst als der zweite Goblin in der Tür ihres Zimmers stand, wurde sie sich des Geruches bewusst. Er stank wie der Tod selbst, als wäre er frisch aus einem Grab, das er schon monatelang bewohnt hatte, entkommen. Er grinste sie an und öffnete den Mund: „Da bist du ja. Der Meister wird sich freuen, dich endlich begrüßen zu dürfen.“, er lächelte grob und ging auf sie zu. Eleonora erschauerte. Der Meister? Was war dieses Wesen? Wer war der Meister? Es gab nur einen Ausweg. Eleonora öffnete hinter ihrem Rücken den Riegel des Fensters. Sie drehte sich um, schwang es auf und sich selbst in einer flüssigen Bewegung hinaus. Als sie auf dem Boden aufkam, raste ein stechender Schmerz durch ihre Beine. Der Goblin in ihrem Zimmer zertrümmerte die geöffneten Fensterscheiben und stieß einen unmenschlichen Schrei aus. Der andere Goblin drehte sich um, sah sie und ließ Isabell fallen. Eleonora hatte keine Zeit nachzudenken. Das einzige, was sie nun retten konnte, war so schnell wie möglich den beiden Goblins zu entkommen. Sie rannte los in Richtung des Maisfeldes, das hinter ihrem Haus begann.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

Die Jagd beginnt 13. Juli 2009 (5) 

Eleonora lief den ganzen Weg nach Hause. Angst schnürte ihr Herz zu und machte ihr das Atmen schwer, aber ihre Beine trugen sie bis zu dem Hof, auf dem sie und ihre Mutter lebten, als würden sie ein eigenes Leben führen. Sie öffnete die Tür, schmiss sie wieder zu und stellte einen Stuhl schräg unter die Klinke. Sie ließ sich hinter den Stuhl auf den Boden sinken und versuchte zu Atem zu kommen. Was war das gewesen? Wieso hatte sie Isabell nur alleine gelassen? Was, wenn ihr etwas passierte? Gab es die Frau, gab es dann auch das Wesen und den Mann? Den Mann mit den seelenlosen Augen? Sie fing an zu weinen. Sie weinte um sich selbst und, dass sie nicht verstand, was da vor sich ging. Sie weinte um ihre Mutter, der sie keinen Arzt hatte besorgen können, sie weinte, weil ihr Vater nicht mehr lebte und sie ihn grade so gebraucht hätte, sie weinte sich ihren ganzen Kummer von der Seele, solange bis keine Tränen mehr über ihr Gesicht rannen. Inzwischen ging ihr Atem wieder regelmäßig. Eleonora stand auf und lauschte. Ein Unbehagen machte sich in ihrem Bauch breit. Irgend-etwas war nicht in Ordnung, irgendetwas war anders als sonst. Sie bekam eine Gänsehaut. Mutter!
Als sie das Zimmer ihrer Mutter betrat, wurde ihr klar, dass diese während ihrer Abwesenheit gestorben war. Die Bettdecke ihrer Mutter war von roten Flecken gesprenkelt, ihre Mutter war bleich und als sie sich neben das Bett hockte und ihre Hand nahm, war diese kalt, kalt wie Eleonoras Herz. Sie senkte ihre Stirn auf die tote Hand, die sie hielt: „Mein Vater, bitte vergib mir. Ich war nicht hier, als sie starb. Ich habe sie allein gelassen um Hilfe zu holen.“ Sie wusste selbst nicht, zu wem sie betete. Gott? Ihrem Vater? Es war egal. Sie fühlte sich schuldig. Schuldig, ihre Mutter in den letzten Minuten alleine mit dem Tod gelassen zu haben. Sie war nicht hier gewesen um ihr das letzte Geleit zu geben, nicht hier um den Pfarrer um die letzte Ölung zu bitten. Wieso war sie nur so dumm gewesen und hatte einen Arzt holen wollen, wo ein Pfarrer doch viel eher angebracht gewesen wäre? Es klopfte an der Tür. Wer immer es war. Sollten sie doch kommen und sie holen. Ihr war grade alles egal. Seufzend stand sie auf und ging zur Tür.
„Was war los? Was war das im Spiegel? Wieso bist du so schnell verschwunden?“, Isabell war so aufgeregt, dass sie nicht den Kummer in Eleonoras Augen sah. „Eleonora, ich verlange eine Erklärung. Was ist seit gestern geschehen?“ Eleonora seufzte auf. „Meine Mutter ist tot.“, das war alles, was sie heraus brachte, dann fiel sie in Ohnmacht.

Die alte Frau blickte aus dem mit Wasser gefüllten Krug auf. Ihr Lächeln war bösartig. Sie blickte zu Darkman: „Ich habe sie gesehen. Sie und ein blondes Mädchen. Sie ist in der Dimension, die der Dimensionengänger genannt hat.“ Darkman ging auf und ab. Die Hände hinter dem Umhang verschränkt. „Wir wissen also wo sie ist, und wie kommen wir jetzt zu ihr? Mir nützt es nichts zu wissen, WO sie ist, wenn ich niemanden zu ihr schicken kann, um sie in meine Finger zu bekommen.“ Darkman war wütend. Er war schon so weit gekommen. Wenn er jetzt scheiterte, würde die Alte mit dem Leben bezahlen. Sie und der Dimensionengänger. Irgendjemand musste sein Leben lassen, wenn er Eleonora nicht bekam.
„Nun, da ich weiß wo sie ist, wird es kein Problem sein, ein Portal in ihre Dimension zu erschaffen.“, die Alte schien sich ihrer Sache so sicher und doch musste Darkman sich vergewissern: „Hin UND zurück?“ Die Alte lächelte: „Ja Meister, hin UND zurück. Wir könnten auch jemanden mit einem Gift zu ihr schicken, aber es ist kein Problem, dass nur ein oder zwei durch das Portal gehen und eine weitere Person mit zurück kommt.“ Darkman schlug wütend auf den Tisch: „Nein, kein Gift! Ich will sie hier! Lebend! Ich will ihr in die Augen blicken und mich davon überzeugen, dass sie die Bedrohung ist, von der die Prophezeiung sprach. Ich will wissen warum ein Mädchen in ihrem Alter, in der Lage sein soll mir meine Macht zu nehmen.“ Die Alte zuckte zusammen: „Ja Meister!“ Darkman schaute auf sie hinab. Seine Augen waren voller Hass auf Eleonora: „Schaffe mir das Portal, Alte und ich werde dich reich belohnen. Wenn du versagst, ist dein Leben verwirkt. Heute Abend verlange ich ein Ergebnis zu sehen.“ Als er sich umdrehte um aus dem Haus der Alten zu eilen, wehte sein Umhang einmal auf. Der Alten war das Lächeln vergangen. Sie zitterte. Es war wohl besser, sie begab sich gleich an die Arbeit.

Darkman stand draußen im Wald, vor der Tür der Alten: „Bewache sie. Sorge dafür, dass sie ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit erfüllt. Ich komme nach Einbruch der Dunkelheit zurück. Zwei von euch werden in die andere Dimension gehen und sie holen.“, erteilte er dem Goblin neben der Tür den Befehl. „Ja Meister, wie ihr befehlt.“ Der Goblin stand stocksteif da, sein Langschwert neben seinen Beinen. Darkman lächelte. Es würde so einfach werden. Noch heute Nacht würde sie ihm gehören. Noch heute Nacht würde Eleonora keine Bedrohung mehr für ihn darstellen. Die Jagd konnte beginnen.

(im Archiv gefunden und entstaubt von Xanthy)

 

Das Spiegelbild 6. Juli 2009

„NEIEIEIEIEIEIEIN!“, schreiend erwachte Eleonora in ihrem Bett. Stocksteif und bleich saß sie da, der Schweiß rann in Strömen über ihr Gesicht. Sie hatte schlecht geträumt. Wie war sie hierher gekommen? Eben noch war sie im Zelt gewesen und dann.., sie dachte nach. Sie hatte nach der Vorführung von Almatea nichts mehr vom Rest der Vorstellung mitbekommen. Geistig abwesend war sie daraufhin mit Isabell aus dem Zelt gegangen und hatte sich von ihr auf halbem Wege verabschiedet. So war sie dann nach Hause gekommen und gleich im Bett verschwunden. Nun war sie hier. Wach und noch ganz benommen von dem Albtraum, der sie gequält hatte. Ein grauenhaftes Wesen war in diesem Traum vorgekommen, ein grünes Wesen, etwas größer als ein Mensch, mit spitzen Ohren, wenig Haaren und einem Gesicht,- sie schüttelte sich, es war abscheulich gewesen und bösartig. Es hatte in einem Raum gestanden, indem eine alte Frau über eine Karte gebeugt saß, eine Karte mit seltsamen Symbolen, die ihr Angst machten. Hinter der Frau stand ein Mann. Erst hatte Eleonora ihn nicht wirklich sehen können, sein schwarzer Umhang und sein Hut verdeckten zu viel von ihm, aber irgendwann hatte er sich umgedreht, er hatte sie angesehen, als wäre sie mit ihnen in diesem Zimmer. Sie bekam immer noch eine Gänsehaut bei dem Gedanken.
Eleonora konnte nur seine Augen und seine Lippen erkennen, alles andere war unter schwarzen Binden verborgen. Seine Augen waren es, die ihr am meisten Angst bereitet hatten. Augen eisblau, voller Hass und ohne jede Seele. Und dann war sie aufgewacht.

Eleonora stand auf, ihr Nachtgewand war nass geschwitzt. Sie ging zu dem Tisch in ihrem Zimmer, goss sich etwas Wasser in die Waschschüssel und wusch sich das Gesicht, zog ihr Nachtgewand aus, ging zum Schrank und kleidete sich an. Sie ging hinunter in die Küche, schlafen konnte sie jetzt nicht mehr, also konnte sie auch liegengebliebene Arbeit erledigen. In der Küche heizte sie den Ofen an, entzündete eine Kerze und begann Socken zu stopfen.

Als der Morgen graute, erwachte Eleonora auf dem Stuhl in der Küche. Sie war über ihre Socken gebeugt eingeschlafen. Sie schaute nach ihrer Mutter, die schwer atmend immer noch schlief und beschloss die Tiere zu füttern und danach ins Dorf zu gehen. Ihre Mutter brauchte einen Arzt, das war ihr klar, doch Ärzte waren teuer, aber vielleicht, ja vielleicht würde sich einer erbarmen und ihre Mutter einmal ansehen. Eleonora beeilte sich ihre Arbeit zu erledigen, schaute noch einmal nach ihrer Mutter und verschwand dann in Richtung Dorf.

„Bitte, ich kann ihnen nicht mehr als 4 Kupferstücke geben. Die Ernte war schlecht…“, die Tür wurde ihr vor der Nase zugeschlagen. Der dritte! Zwei Heiler auf dem Markt hatten bedauernd den Kopf geschüttelt und nun das. Der einzige Arzt im Ort und seine Frau hatte ihr deutlich klar gemacht, dass sie keine Hilfe von ihm erwarten konnte. Eleonora war zum Weinen zumute. Sie ging zum Dorfbrunnen um ihr Gesicht zu kühlen. Ihre Wangen brannten vor Scham über ihre Notlage, vor Verzweiflung, weil sie ihrer Mutter nicht helfen konnte. Sie beugte sich über den Brunnen, benetzte ihr Gesicht, sie atmete tief durch und blickte ins Wasser. Ihr Gesicht war bleich. Kein Wunder nach dem vergangenen Abend, nach dem vergangenen Monat, ach, nach dem vergangenen Jahr. Sie sollte mehr essen, aber von welchem Geld? Von welcher Ernte? Während sie überlegte, nahm sie eine Bewegung rechts neben ihrem Spiegelbild war, sie wand den Kopf, aber dort war nichts. Schon wieder bildete sie sich Sachen ein. Sie schüttelte ihren Kopf und stand auf. Ein Gedanke durchzuckte sie: „Meide sich spiegelnde Oberflächen!“ Was hatten sie damit gemeint? Sie hatte ins Wasser geschaut, jedoch nichts gesehen. Sie war in Gefahr? In welcher Gefahr? Wer versuchte einen Weg zu ihr zu finden? Einen Weg woher? Ganz in Gedanken versunken, sah Eleonora die alte Frau nicht. Die alte Dame schaute Eleonora interessiert an. Erst als Eleonora fast vor ihr stand, wurde sie sich der alten Frau bewusst. „Mein Kind, du siehst aus, als wenn die Last dieser Welt auf deinen Schultern ruht.“, die Worte der alten Frau klangen sehr freundlich, aber ihr Blick machte Eleonora Angst. Es war, als wenn die Alte durch sie hindurch sehen könne. Als wenn ihre Ängste und Sorgen ihr wie die aufgeschlagenen Seiten eines Buches zugängig waren. Eleonora wich ihrem Blick aus. „Du hast große Sorgen mein Kind. Du trägst eine große Verantwortung. Deine Zukunft bestimmt über das Leben und Sterben vieler Menschen.“, die Alte seufzte. Eleonora wollte nicht noch mehr Vorhersagen hören. Sie wand sich ab und lief mit schnellen Schritten die Straße hinab zu Isabells Haus.

„Ist Isabell zu sprechen?“, Eleonora schaute die Haushaltshilfe der Familie fragend an. Sie atmete schwer. „Einen Moment, die junge Dame wird gleich herunter kommen.“ Die Haushaltshilfe bat sie in den Flur und schloss die Tür hinter ihr. Eleonora wartete ungeduldig bis ihre Freundin die Treppe hinunter kam. „Eleonora, was ist los? Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen.“ Isabell klang besorgt. „Wie geht es deiner Mutter?“ Eleonora wollte Isabell so viel erzählen, aber sie wusste nicht wo sie anfangen sollte. Sie seufzte auf. Sollte sie Isabell von den Dingen erzählen, die ihr Almatea prophezeit hatte? Isabell runzelte die Stirn. „Eleonora, sprich mit mir, erzähl mir was dir auf dem Herzen liegt.“ Sie hakte sich bei Eleonora unter und zog sie in Richtung Wohnzimmer. Auf halben Weg in Richtung Wohnzimmer hing ein Spiegel an der Wand. Eleonora sah den Spiegel und alles in ihr sträubte sich an ihm vorbei zu gehen. Sie blieb stehen. „Was hast du denn Eleonora? Komm, lass uns einen Tee trinken. Dann kannst du mir alles erzählen, was dir auf dem Herzen liegt.“ Isabell zog Eleonora mit sanfter Gewalt weiter. Eleonora erhaschte einen Blick in den Spiegel. Was sie dort sah, ließ ihr Herz einen Moment aussetzen. Die alte Frau aus ihrem Traum blickte ihr entgegen. Ihr Gesicht verzog sich zu einem Grinsen, ganz so, als ob sie Eleonora wirklich sehen konnte. Ihre Lippen bewegten sich, aber Eleonora konnte sie nicht hören. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie schaute Isabell fragend an, doch die war selbst so im Gedanken versunken, dass sie keinen Blick in den Spiegel warf. Eleonora machte sich los und schrie. Isabell blieb verwundert stehen. Sie drehte sich zu Eleonora um und sah dabei in den Spiegel. Ihr Gesicht wurde weiß. „Was ist das?“ flüsterte sie ängstlich. Eleonora sah sie an, drehte sich um und floh aus dem Haus.

(im Archiv gefunden und entstaubt von  Xanthy)